
28.07.2026
Über 100-mal Emmental
Was erzählen uns die ersten 100 Wissensbeiträge?Ein Spycher war früher ein Ort, an dem Wertvolles aufbewahrt wurde. Getreide, Werkzeuge oder Vorräte. Unser e-spycher funktioniert ganz ähnlich. Nur lagern hier keine Dinge, sondern Erinnerungen, Erfahrungen und Wissen aus dem Emmental. Seit dem Start von «spychere!» sind bereits im Juli 2026 über 100 Wissensbeiträge zusammengekommen.
Als wir im Frühling mit «spychere!» starteten, wussten wir nicht, was auf uns zukommen würde. Welche Themen würden die Menschen beschäftigen? Würden vor allem Erinnerungen eingereicht? Oder eher Dialektwörter? Vielleicht alte Rezepte? Heute wissen wir: Es ist von allem etwas dabei. Und genau das macht den e-spycher spannend.
Wenn wir durch die Beiträge stöbern, springen wir ständig von einem Thema zum nächsten. Eben liest man noch, das Hochwasser ein «Aaschutz!» ist. Ein paar Klicks weiter erfährt man, wie das Chörblichrut zu seinem Namen gekommen ist. Dann landet man plötzlich beim Centro Italo, beim ersten Kebabladen in Langnau oder beim Raucherbänkli beim Chiuchestägli.


Viele Beiträge handeln von Erinnerungen aus dem Alltag. Eine Frau erzählt, wie das Wasser für das Bad auf dem Holzherd erwärmt wurde und die ganze Familie nacheinander im selben Wasser badete. Jemand erinnert sich an die Hausmetzgete, bei der wirklich alles vom Schwein verwertet wurde. Andere schreiben über Rosenchüechli, das Ofehüsi oder Arbeiten auf dem Bauernhof, die heute fast verschwunden sind.
Dann gibt es Beiträge, die einen Moment lang innehalten lassen. Zum Beispiel die Erinnerungen von Ersilia Bischof-Bernini an das Centro Italo. Oder Geschichten aus der ehemaligen Tuchfabrik Zürcher, die zeigen, wie sehr Menschen aus unterschiedlichen Ländern das Emmental mitgeprägt haben. Solche Beiträge erzählen nicht nur Familiengeschichten. Sie erzählen auch etwas über die Region.
Und manchmal genügt schon ein einziges Wort. Änglefi. Schmutzhafe. Güferli-Muni. Wer hier aufgewachsen ist, muss vielleicht schmunzeln. Wer von ausserhalb kommt, versteht zuerst einmal gar nichts. Gerade diese Wörter zeigen, wie viel Wissen in unserer Sprache steckt – und wie schnell es verloren gehen kann, wenn es niemand mehr braucht oder weitererzählt.

An unseren Aktionstagen hören wir immer wieder denselben Satz: «Ich weiss eigentlich gar nichts Besonderes.» Das spychere-Team schmunzelt inzwischen meistens nur noch, denn wir wissen, was oft als Nächstes passiert. Aus einer kleinen Erinnerung wird plötzlich eine zweite. Dann fällt jemandem noch ein Dialektwort ein. Oder eine Geschichte über den Nachbarn. Oder darüber, weshalb früher etwas genau so gemacht wurde und nicht anders. Manchmal wollten wir nur kurz etwas notieren – und zehn Minuten später waren wir immer noch am Schreiben. Genau so sind mittlerweile aus «Ich weiss eigentlich gar nichts Besonderes» über 100 Wissensbeiträge entstanden.

Bis zum Sammelstopp im Oktober wird der e-spycher weiterwachsen. Darauf freuen wir uns. Danach nehmen wir uns Zeit, die Sammlung genauer anzuschauen. Welche Themen tauchen immer wieder auf? Wo gibt es Überraschungen? Welche Geschichten ergänzen sich? Und was erzählen sie gemeinsam über das Emmental?
Das Wissen liegt nicht irgendwo versteckt in einem Archiv. Es sitzt am Küchentisch. Es steckt in einem Dialektwort. In einem alten Handgriff. In einer Erinnerung, die jemand fast vergessen hätte. Wir sammeln noch bis im Oktober – mach auch du mit!












