ES_0201

Steinerschule Langnau

Vorname/Name
Miriam
Jahrgang
1975
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb
In den 1980er-Jahren entstand in Langnau die Idee einer freien Steinerschule, getragen von Eltern und geprägt vom Gedanken der Unabhängigkeit vom Staat. Nach intensiven Diskussionen und kreativen Spendenaktionen wurde 1983 der Schulverein gegründet. 1985 starteten sechs Kinder in einer ersten Klasse. Die Schule wuchs rasch, zog in die Heiniger-Villa an der Schlossstrasse und fusionierte 2009 mit den Standorten Bern-Melchenbühl und Ittigen.
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Text

In den 1980er Jahren gab es in der Umgebung Langnau zwei Kreise von Menschen, die sich aktiv mit der Idee eines alternativen Schulsystems auseinandersetzen: Die Lehrpersonen der Freien Pädagogischen Vereinigung FPV und die «Dreigliederer». Letztere lebten nach dem anthroposopischen Grundprinzip der Dreigliederung, dass das gesellschaftliche Leben auf drei unabhängige Bereiche aufgebaut ist – Geistesleben, das Rechtsleben und das Wirtschaftsleben (mehr Infos dazu finden Sie hier). Schulen sollten also nicht den Vorgaben des Staate unterliegen, sondern erden aus einem Freiheitsgedanken heraus geführt werden.

Die Vertreter:innen dieser Gruppen trafen sich also regelmässig, Menschen mit anderen Hintergründen kamen hinzu, diskutierten über Rudolf Steiner und dessen Menschenlehre und überlegten, wie sich seine Pädagogik in die hiesigen Schulen integrieren liesse. Es habe «hitzige Diskussionen» gegeben und «ein Ringen» um einen gemeinsamen Weg, erinnern sich Marie-Christine und Viktor Kambli sowie Hane Lory an die bewegte Gründungszeit.

Die Langnauer Steinerschule sollte von den Eltern getragen werden (jede:r gibt so viel wie es möglich ist), sie sollte frei, also unabhängig von staatlichen Vorgaben sein, die Lehrpersonen sollten über die Art und Weise entscheiden können, wie sie den Schüler:innen Lebenskraft du Lebensweisheit weitergeben wollten. Und was sie dafür brauchten. Ein rückblickend sehr hohes Ideal war: eine offene Buchhaltung. Alle sollten im Sinne der Dreigliederung sehen können, wer wieviel gibt, wer wieviel nimmt

Gründung, Finanzierung und Standortsuche

Am 30. April 1983 fand die Gründungsversammlung des Steinerschulvereins statt – mit Viktor Kambli, Hannes Utzinger, Hane Lory und Manfred Kipfer als Präsidenten. 1984 wurde eine Finanzgruppe gegründet und es kam zu einer ersten Geldsammlung. Man inserierte, verteilte Flugblätter und lud die Menschen dazu ein, Obligationen zu zeichnen. Besonders lukrativ war allerdings der Verkauf von «Honigböck» am Gurtenfestival – oder später auch Tajine, das Viktor Kambli davor in der Militärküche Trubschachen gekocht hatte.

Es gab Menschen, die zogen extra nach Langnau, weil sie wussten, dass sich hier Menschen für eine Steinerschule einsetzen. Andere standen dem Projekt skeptisch bis feindlich gegenüber. Sie fragten sich etwa, warum es Menschen gab, die für die Schule ihrer Kinder zahlen wollten. Und ob die staatliche Schule denn nicht gut genug «für die Langhaarigen» sei.

Schulstart und Weiterentwicklung

Als genug Geld da war, um den Schulbetrieb zu starten, war die Frage nach dem Standort noch nicht geklärt. Es gab verschiedene Optionen – vom Mosimann-Haus in Langnau, das einst die erste Apotheke in Langnau beherbergt hatte, über ein Landstück bei einem Bauern in Zollbrück, wo ein neues Gebäude hätte erbaut werden können. Am Ende fiel die Entscheidung auf das Haus von Viktor und Marie-Christine Kambli, das sie Anfang der 80er Jahre an der Oberfeldstrasse 14 in Langnau erwarben, aber noch nicht sofort bewohnen konnten. Die Eltern einer der ersten Steinerschülerinnen Langnaus stellten für den Anfang das Erdgeschoss zur Verfügung.
In der ersten Langnauer Steinerschulklasse waren sechs Kinder. Man startete mit einer Doppelklasse und konnte nach zwei Jahren schon auf Jahrgangsklassen umstellen. Die Schule wuchs schnell. Nach einem Jahr kaufte die Steinerschule die Heiniger-Villa an der Schlossstrasse 6, wo sie bis heute ist. Und die Schüler:innenzahl wuchs bald auf über 120 – und die Schulraumsuche ging erneut los. 2009 fusionierte die Steinerschule Langnau mit den Standorten Bern-Melchenbühl und Ittigen. Und aus Langnau ist die Alternative zur Staatsschule längst nicht mehr wegzudenken.

Herkunft des Wissens

Die Informationspersonen haben die Steinerschule mitbegründet

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

In Erzählungen

Bilder

Wo die Geschichte der Langnauer Steinerschule begann (Klassenzimmer an der Oberfeldstrasse)

Bericht in der Wochen-Zeitung vom 28. April 1994

Bericht in der Berner Zeitung vom 24. September 1984

Bericht in der Berner Zeitung vom 1. Mai 2004

U du, weisch no meh?

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