26.03.2026

Vom Depot in den e-spycher

Zum Start von «spychere!», hat sich das Museumsteam selbst auf die Suche gemacht: nach dem eigenen Wissen über das Emmental. Im Depot wurden Objekte ausgewählt, Geschichten ausgepackt und Erfahrungen festgehalten. So ist Schritt für Schritt die Ausstellung entstanden – und die ersten Einträge im e-spycher.

Bevor wir die Bevölkerung einladen, ihr Wissen zu teilen, haben wir bei uns selbst begonnen. Was wissen wir eigentlich über das Emmental? Und woher kommt dieses Wissen?

Für die Ausstellung «spychere! Wissen von hier sammeln» hat sich das Team des Regionalmuseums Chüechlihus genau mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Ausgangspunkt war das Museumsdepot: Jedes Teammitglied begab sich auf die Such nach einem Objekt aus der Sammlung – eines, mit dem sich eigenes Wissen, Erinnerungen oder Beobachtungen verbinden liessen.
Von dort aus entwickelte sich der nächste Schritt fast von selbst. Zu den Objekten entstanden persönliche Zugänge, Geschichten und Gedanken. Wissen, das nicht aus Büchern stammt, sondern durch Erfahrungen, Gespräche, dem eigenen Leben geprägt ist.

So erinnert sich Susanna (1952) an frühere Waschgewohnheiten: «Gebadet wurde selten, oft im selben Wasser nacheinander in einer Wanne draussen, im Sommer im Brunnen. Hygiene bedeutete Sparsamkeit.»

Andere Beiträge zeigen, wie vielschichtig lokales Wissen sein kann. Anina (1993) beschreibt es so:

«Lokales Wissen kann Nähe schaffen, kann aber auch Kontrolle bedeuten: Man weiss vieles übereinander und das kann Druck erzeugen.»

Oder es sind prägende Erlebnisse, wie bei Michèle (1987): «Was, du kennsch d OGA nid? […] Dert muesch unbedingt häre mit de Ching!» – ein Satz, der nicht nur einen Ort beschreibt, sondern auch Zugehörigkeit.

Die Auseinandersetzung im Team machte schnell deutlich: Wissen steckt nicht nur in Objekten – sondern vor allem in Menschen. Oder, wie Thomas (1957) sagt: «Oft merkt man das gar nicht, ‘mä weisses haut eifach’.»

Auch sprachliche Feinheiten haben darin Platz, etwa bei Wanda (1994):

«Zwo Froue, aber Zwe Manne oder Zwöi Chind – das Zahlwort passt sich dem grammatischen Geschlecht an.»

Dieses Wissen wurde anschliessend in diesem e-spycher festgehalten. Die Beiträge sind so unterschiedlich wie ihre Autor:innen: Texte, ergänzt mit Fotos, Videos oder Audioaufnahmen. So ist eine erste Sammlung entstanden, die zeigt, wie vielfältig lokales Wissen sein kann. Mit diesen Beispielen legt die Ausstellung den Grundstein für das Projekt «spychere!». Sie zeigt, wie Wissen entstehen, gesammelt und geteilt werden kann – und lädt die Besucher:innen ein, selbst Teil dieses wachsenden Wissensspeichers zu werden.

Ab dem 1. April beginnt die nächste Phase: Dann erweitert sich der e-spycher Schritt für Schritt – durch Beiträge aus dem ganzen Emmental, gesammelt online, im Museum und unterwegs in der Region.