Über das Projekt
Um was geht es?
Mit dem Projekt «spychere! Wissen von hier sammeln, zeigen, nutzen» (2026–2028) sucht das Regionalmuseum Chüechlihus gemeinsam mit der Bevölkerung nach lokalem Wissen im Emmental. Dieses Wissen entsteht im Alltag und bleibt oft unausgesprochen – «mä weisses haut eifach!». Gleichzeitig ist es ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes. Mit «spychere!» sammeln wir dieses Wissen, bewahren es und machen es gemeinsam sicht- und nutzbar. Im digitalen e-spycher entsteht so ein wachsender Wissensspeicher mit Geschichten, Erfahrungen und Beobachtungen aus der Region für die Region.
sammeln – zeigen – nutzen
Das Projekt «spychere!» dauert mehrere Jahre und besteht aus drei Teilen. Schritt für Schritt sammeln wir Wissen aus dem Emmental, machen es sichtbar und fragen am Ende, wie wir es für die Zukunft nutzen können – wir sammeln, zeigen und nutzen Wissen von hier.
Wissen sammeln (ab 1. April 2026)
Der erste Teil startet im Frühjahr 2026 mit der Lancierung des e-spychers und der Eröffnung der Ausstellung im Regionalmuseum Chüechlihus. Sie bildet den Ausgangspunkt des gesamten Projekts. Das Museumsteam zeigt anhand von Objekten eigenes lokales Wissen und lädt die Bevölkerung ein, ihr Wissen ebenfalls zu teilen. Ab dem 1. April beginnt die gemeinsame Suche im ganzen Emmental: online, im Museum und bei Aktionen im öffentlichen Raum. Eine Gruppe von Co-Forschenden sammelt von Mai bis Oktober 2026 zusätzlich Wissen direkt in der Region. So entsteht Schritt für Schritt ein wachsender Wissensspeicher.
Wissen zeigen (ab Frühling 2027)
Im zweiten Teil wird das gesammelte Wissen ausgewertet und die Ausstellung erweitert. Die Co-Forschenden wirken dabei aktiv mit. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2027 im Museum präsentiert.
Wissen nutzen (Ende 2027 / Anfang 2028)
Im dritten Teil richtet sich der Blick nach vorne: Was können wir aus diesem Wissen lernen? Und wie kann es helfen, die Zukunft zu gestalten?
Diese Fragen werden unter anderem in einem Schulprojekt aufgegriffen. Den Abschluss bildet ein partizipatives Format, das das Wissen aus dem Emmental nochmals neu erlebbar macht.
Die drei Räume des Projekts
Das Projekt findet in drei Räumen statt:
- im Museum als Ort der Präsentation und des Austauschs
- im e-spycher als digitale Plattform zum Sammeln und Teilen
- im öffentlichen Raum bei Aktionen und Begegnungen
Warum der Spycher?
Früher war der Speicher der wichtigste Ort auf dem Hof – hier lagerten Korn, Wertsachen und alles, was man zum Leben brauchte. Im Emmental sind viele dieser Speicher noch zu sehen und prägen bis heute das Landschaftsbild.

Bei „spychere!“ geht es ähnlich: Wir sammeln und bewahren Wissen von hier – Geschichten, Erinnerungen und Erfahrungen, die sonst oft unsichtbar bleiben. Ein Schatz, der darauf wartet, entdeckt und geteilt zu werden!
Was passiert wann?
- Projektlancierung: 31. März 2026
- Start «spychere! Wissen von hier sammeln»: 1. April 2026
- Get-Together & Kick-off Co-Forschende: April/Mai 2026
- Aktionstage: Diverse Tage bis Oktober 2026
- Erster Sammelstopp: 11. Oktober 2026
- Auswertung: Ab Oktober 2026
- Eröffnung & Startschuss «spychere! Wissen von hier zeigen»: April 2027
- Startschuss & Projektabschluss «spychere! Wissen von hier nutzen»: Ende 2027/Anfang 2028
Wissensschatz vergrössern & vervielfältigen
Wissen aus dem Emmental sammeln, erweitern, bewahren, zugänglich machen und diskutieren, indem Emmentaler:innen eingeladen werden, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Perspektiven im Museum einzubringen.
Beziehungsnetz zu lokalem Wissen aufbauen & pflegen
Kontakte zu Menschen, Gemeinschaften und Wissensträger:innen im Emmental aufbauen, unterhalten und bewahren, um lokales Wissen langfristig lebendig zu halten.
Reflexion über lokales Wissen anregen
Diskutieren, wie lokales Wissen aus dem Emmental Herkunft prägt, welche Bedeutung es hat und in welcher Vielfalt es auftritt.
Reflexion über Kulturerbe und lokales Wissen anregen
Diskussionen über die Bedeutung von lokalem Wissen als Kulturerbe anregen.
Vergangenheit als Ressource für die Zukunft nutzen
Erfahrungen, Erinnerungen und Wissen früherer und heutiger Generationen zugänglich machen, um daraus Impulse für zukünftige Entwicklungen zu gewinnen.
Gesellschaftliches Miteinander stärken
Vielstimmige Geschichten aus dem Emmental als gemeinsames Kulturerbe sichtbar machen und das Bewusstsein für die Vielfalt dieses gemeinsamen – und sich verändernden – kulturellen Erbes stärken.
Teilhabe fördern, Museum demokratisieren
Die eigentlichen Eigentümer:innen des Emmentaler Kulturerbes – die regionale Bevölkerung in die Wissensproduktion am und Entscheidungsprozess im Museum einzubeziehen.
Gesellschaft im Museum verankern; Museum in der Gesellschaft verankern
Unterschiedliche Perspektiven aus dem Emmental im Museum sichtbar machen und das Museum als Teil der Emmentaler Gesellschaft stärken.
Museum als Ort für Begegnung & Dialog etablieren
Das Museum zu einem Ort des Austauschs, der Begegnung und des Dialogs machen.
Format «Themenzyklus» für das Regionalmuseum Chüechlihus testen
Mit dem ersten Themenzyklus «spychere!» zeigt das RMC programmatisch, wie es in Zukunft arbeiten möchte. Der erste Themenzyklus ist thematisch breit angelegt, um verschiedene Methoden zu prüfen und vielfältiges Wissen zu sammeln, welches in den folgenden Zyklen vertieft werden kann.
Umsetzen der Museumsvision vorantreiben
Die Vision des Museums als “teilhabeorientierte Werkstatt für das gemeinsame Erbe” im Emmental stärken und umsetzen.
Innovation in der Museumsarbeit fördern
Neue Formen des Sammelns, Teilens und Diskutierens von Wissen im Museum entwickeln.
Wer sind wir?
Projektteam
Das Projekt wird vom Regionalmuseum Chüechlihus umgesetzt. Das Team des Museums arbeitet gemeinsam daran, Wissen aus dem Emmental zu sammeln und zugänglich zu machen.
- Carina Schmutz, Administration und Veranstaltungen
- Carmen Simon, Gesamtprojektleiterin und Museumsleiterin
- Dorothee Ohlhof, Sammlungsbetreuung
- Finn Heiniger, Gastgeber und Unterstützer beim Erfassen der Wissensbeiträge
- Livia Künzi, Projektleiterin «spychere!» (Teilprojekt II & III)» (ab April 2026)
- Sarina Wälti, Kommunikation «spychere!»
- Wanda Seiler, Projektleiterin «spychere!» (Teilprojekt I) (bis April 2026)
- Gastgeber:innen-Team: Betreuung der Ausstellung während der Museumsöffnungszeiten, Unterstützer:innen beim Erfassen der Wissensbeiträge
- Grafik: Dominique Fischer, Studio Christen GmbH
- Szenographie: Laura Nötzli und Anna Caderas, Nötzli x Caderas
- Website: Simon Wälti und Rolf Mettler, webage
Co-Forschende
Ein wichtiger Teil des Projekts «spychere!» sind die Co-Forschenden aus dem Emmental. Sie arbeiten gemeinsam mit dem Regionalmuseum Chüechlihus daran, Wissen aus der Region zu sammeln und sichtbar zu machen.
Das Team der Co-Forschenden besteht aus:
- Andreas Eggimann, Lyssach
- Beat Gerber, Zollbrück
- Elena Schürch, Trub
- Elisabeth Badertscher, Mirchel b. Zäziwil
- Jena Jayantha Nathan, Langnau i. E.
- Jonas Glanzmann, Lauperswil
- Kathrin Scheidegger, Trachselwald
- Miriam Margani, Langnau i. E.
- Murielle Blaser, Lützelflüh
Die Idee dahinter: Die Menschen, die hier leben, kennen ihre Region am besten. Sie wissen, was früher wichtig war, was heute den Alltag prägt und welche Geschichten mit Orten, Bräuchen oder Tätigkeiten verbunden sind. Darum arbeitet das Museum mit einer Gruppe von Co-Forschenden zusammen. Diese Personen stammen aus verschiedenen Teilen des Emmentals und bringen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen mit. Sie helfen mit, Wissen in der Region zu sammeln und mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Die Co-Forschenden sind ab Mai 2026 immer wieder im Emmental unterwegs – zum Beispiel an Märkten, Vereinsanlässen oder anderen Treffpunkten. Dort sprechen sie mit Menschen, hören zu und sammeln Geschichten, Erinnerungen und Beobachtungen aus der Region. So entsteht Schritt für Schritt ein vielfältiges Bild davon, was lokales Wissen im Emmental sein kann.
Gleichzeitig wirken die Co-Forschenden als Vermittler:innen zwischen Museum und Bevölkerung. Sie erklären das Projekt, laden Menschen zum Mitmachen ein und helfen dabei, Wissen zu erfassen – zum Beispiel für den e-spycher.
Medienpartner & Geldgebende

Was ist lokales Wissen?
Lokales Wissen ist Wissen, das mit einem Ort verbunden ist – mit einer Region, einem Dorf, einer Landschaft oder dem Alltag der Menschen, die dort leben. Es entsteht über viele Jahre durch Erfahrungen, Beobachtungen und Erinnerungen.
Dieses Wissen findet man oft nicht in Büchern oder Archiven. Es bleibt häufig unausgesprochen und ist schwer greifbar – «mä weisses haut eifach!». Es steckt in Gesprächen, Geschichten und Gewohnheiten und wird weitergegeben, wenn Menschen miteinander leben, arbeiten und ihre Erfahrungen teilen.
Lokales Wissen kann ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel:
- Erinnerungen an frühere Zeiten im Dorf
- Geschichten über Orte, Häuser oder Landschaften
- Wissen über Landwirtschaft, Handwerk oder Arbeit
- Bräuche, Feste und Traditionen
- Erfahrungen mit dem Leben im Emmental
- unsere Sprache und wie wir miteinander reden
- Beobachtungen, wie sich die Region verändert hat
- …
Manches Wissen ist sehr persönlich, anderes teilen viele, ohne es bewusst zu merken. Oft wird es einfach weitererzählt oder vorgelebt – von Generation zu Generation. Gerade deshalb ist lokales Wissen so wertvoll: Es zeigt, wie Menschen ihre Umgebung wahrnehmen, wie sie sich darin verhalten und was ihnen wichtig ist. Lokales – unausgesprochenes – Wissen hat dementsprechend auch viel mit Zugehörigkeit oder eben Ausgrenzung zu tun.
Stöbere im e-spycher und entdecke, wie vielfältig lokales Wissen sein kann.
Stimmen aus dem Team
Zum Start des Projekts haben sich Mitarbeitende des Museums mit dem lokalen Wissen auseinandergesetzt und erzählen von ihrem eigenen Wissen über das Emmental – anhand von Objekten aus der Sammlung. Die Beispiele sind in der Ausstellung im Chüechlihus zu sehen und zeigen, wie vielfältig lokales Wissen sein kann.
«Gebadet wurde selten, oft im selben Wasser nacheinander in einer Wanne draussen, im Sommer im Brunnen. Einmal im Monat duschten wir zudem in der Schulhauswaschküche. Hygiene bedeutete Sparsamkeit.»
Susanna, 1952
«Lokales Wissen kann Nähe schaffen, kann aber auch Kontrolle bedeuten: Man weiss vieles übereinander und das kann Druck erzeugen.»
Anina, 1993
«’Was, du kennsch d OGA nid?’, fragte mich die einheimische Familie meines Mannes erstaunt, als ich noch nicht lange in Langnau lebte. ‘Dert muesch unbedingt häre mit de Ching!’ und ‘Chouf de grad e Duurcharte’.»
Michèle, 1987
«Menschen sind in eine Geschichte eingebettet, jene, die sie kennen und jene, die sie leben. Oft merkt man das gar nicht, ‘mä weisses haut eifach’ – das ist lokales Wissen.»
Thomas, 1957
«’Zwo Froue’. Man sagt aber ‘Zwe Manne’ oder ‘Zwöi Chind’ – das Zahlwort passt sich dem grammatischen Geschlecht an, wie es nur noch in wenigen Dialekten der Deutschschweiz der Fall ist. Im Emmental gibt es noch diverse regionale Dialektfärbungen. Der Stolz auf das eigene Berndeutsch nehme ich als ausgeprägt wahr.»
Wanda, 1994
«Lokales Wissen ist schwer greifbar, es ist ein Wissen, dem ich mir nicht bewusst bin und ich als selbstverständlich anschaue. Und doch gibt es mir ein gutes Gefühl, ein Gefühl von Sicherheit, Halt und Heimat.»
Sarina, 1996