
ES_0004
«Chörblichrut»
Vorname/Name
Stefanie
Jahrgang
1987
PLZ/Ort
3556 Trub
Kurzbeschrieb
Diese Apothekerdosen bewahren ein Stück Emmentaler Naturheilkunde, die hier eine lange Tradition hat. Eine der regionaltypischsten Naturheilpflanzen ist das «Chörblichrut». Das daraus gewonnene «Chörblichrutwasser» wird seit Generationen bei diversen Gebrechen eingesetzt. Jüngst erfährt es eine Neuentdeckung.
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Text
Das Chörblichrut – zu deutsch Süssdolde oder lateinisch Myrrhis Odorata genannt ist eine traditionelle Heilpflanze mit langer Geschichte in Emmental. Die Pflanze gehört zu den Doldenblütler wie zB Fenchel, Karotte und viele Wildpflanzen, darunter auch giftige wie zB der «gefleckte Schierling». «Chörbli» kommt wahrscheinlich von Körbel («Cherbele») und zeigt, dass das Kraut früher zu den Kerbelpflanzen gezählt und ähnlich wie Gartenkerbel verwendet wurde.
Die Süssdolde wächst gerne an nährstoffreichen Waldrändern bis 1900 m.ü.M. Es ist eine mehrjährige bis 150 cm hohe Staudenpflanze mit weissen Doldenblüten. Typisch ist ihr Anisduft und die bis 2.5 cm langen Samen, welche sich im Herbst dunkel verfärben. Das Auftreten dieser Pflanze in der Schweiz ist bis ins Mittelalter belegt, heute wächst sie in grösseren Mengen vor allem im Emmental, in den Waadtländer Voralpen und im Jura.
Aus der Pflanze wird das sogenannte Chörbli(chrut)wasser hergestellt. Dazu wird die ganze Pflanze geerntet und in Wasserdampfdestillation zu einem milchigen Hydrolat verarbeitet. Ein Hydrolat wird auch «Pflanzenwasser» genannt und enthält keinen Alkohol. Bis ins Jahr 1950 wurden noch viele Flaschen «Chörbliwasser» vom Emmental nach Bern geliefert. Heute noch wird auf vielen Höfen – oder auch von lokalen Brennereien im Emmental Chörblichrutwasser hergestellt.
Zu der Heilwirkung ist in herkömmlichen Kräuterbüchern sehr wenig dokumentiert. Gewiss ist, dass das ätherische Öl Anethol, welches der Pflanze auch ihren typischen Anisduft verleiht, zahlreiche medizinisch wirksame Eigenschaften hat. Es wirkt antibakteriell, auswurffördernd, krampflösend, schleimlösend und gegen Blähungen und Mensbeschwerden.
Das Wissen über die Heilwirkung wird im Emmental von Generation zu Generation weitergegeben. Hier wird es vor allem bei ersten Symptomen von Erkältung und Gruppe sowie als Blutverdünner und zu hohem Blutdruck angewendet. Die übliche Dosis ist ein Schnapsglas pro Tag. Äusserlich angewendet soll es als Crème verarbeitet auch bei Ekzemen und Hautausschlägen sowie Schwellungen und Verstauchungen, Muskel- und Gelenkbeschwerden Linderung bringen. Auch im Stall wird das «Allheilmittel» oft und erfolgreich eingesetzt, wenn eine Kuh zB. den «Viertel» hat – eine Euterentzündung. Dann soll ein Liter Chörblichrutwasser wahre Wunder bewirken…
Siehe auch Eintrag zum Chörblichrut bei der Perlenkette Emme
Herkunft des Wissens
Ich wohne auf dem Balmeggberg. Christian vom Verein Perlenkette Emme hat sich bei uns gemeldet, weil er Höfe sucht, welche die typische Emmentaler Heilpflanze in Bioqualität anbauen . Im Rahmen des Vereins hat er sich intensiv mit dem Chörblichrut auseinandergesetzt und zahlreiche Interviews mit Menschen aus dem Emmental zu ihrem traditionellen Wissen geführt und selbst auf Streifzügen nach natürlichen Standorten gesucht. Entstanden ist die Broschüre «Chörblichrut». Bei einem Besuch hat er uns viel von seinem Wissen erzählt.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Wir fanden die Idee toll und bauen seit zwei Jahren das Chörblichrut auf unserem Hof an. In Zusammenarbeit mit Christian haben wir einen Tageskurs zum Thema Chörblichrut organisiert. Wir haben das Kraut selber destilliert und in der Küche damit experimentiert.












