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«Aaschutz!»

Vorname/Name
Sarina
Jahrgang
1996
PLZ/Ort
3436 Zollbrück
Kurzbeschrieb
Die Emme war für mich immer ein magischer Ort – und zugleich eine Gefahr. Schon als Kind lernte ich, den «Aaschutz» zu respektieren: eine plötzliche Flutwelle, die alles mitreisst. Dieses Wissen ist tief verankert. Die Emme fasziniert mich bis heute – aber immer mit dem nötigen Respekt.
Schlagworte
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Text

Die Emme gehört für mich seit meiner Kindheit einfach dazu. Ich bin in ihrer Nähe aufgewachsen – meistens war sie ein ruhiger, fast harmloser Fluss, mit wenig Wasser im breiten Bett. Gerade das machte sie so trügerisch.

Der «Aaschutz» – wenn der Fluss plötzlich erwacht
Schon früh haben mir meine Eltern erklärt, wann es gefährlich wird. Ein Begriff hat sich mir besonders eingeprägt: der «Aaschutz». Damit ist eine plötzliche Flutwelle gemeint, die nach einem Gewitter entstehen kann.
Innerhalb kürzester Zeit wird aus dem kleinen Rinnsal ein reissender Strom. Und das Gefährlichste daran ist nicht nur das Wasser – sondern alles, was es mitreisst: Baumstämme, Äste, manchmal ganze Teile von Brücken.
Ich habe selbst miterlebt, wie Brücken beschädigt oder weggerissen wurden. Besonders präsent ist mir das Unwetter von 2005. Damals wurde der Ranflühsteg – bei uns auch «Walpelisteg» genannt – von der Emme mitgerissen. Heute steht noch ein Teil davon wie ein Denkmal, direkt neben dem neuen Steg.

Gefahr kommt von oben
Was ich früh gelernt habe: Die Gefahr sieht man oft nicht dort, wo man gerade ist. Wenn es zum Beispiel im Schangnau gewittert, kann es bei uns noch sonnig sein – und trotzdem kommt wenige Minuten später ein Aaschutz.
Diese Erfahrung ist so tief verankert, dass sie sogar im Alltag weiterlebt. Ich erinnere mich an einen heissen Sommertag, als ich mit meinem Cousin, der nicht im Emmental lebt, an die Emme wollte. Wir waren schon unterwegs, als uns wildfremde Menschen ansprachen und warnten: Im Schangnau gewittere es bereits, wir sollten besser nicht gehen.
Wir kehrten um. Ob tatsächlich ein Aaschutz kam, weiss ich nicht mehr. Aber diese Begegnung ist mir geblieben – sie zeigt, wie stark dieses Wissen hier verankert ist und wie selbstverständlich man aufeinander achtet.

Regeln, die man nicht vergisst
Uns wurde klar gesagt, was im Ernstfall zu tun ist: alles liegen lassen und sofort aus dem Flussbett raus. Wir wussten auch genau, auf welche Brücken wir dürfen, um einen Aaschutz aus sicherer Distanz zu beobachten – und auf welche ganz sicher nicht.
Auch im Alltag sieht man, wie ernst diese Gefahr genommen wird. Es gibt Brücken, die bei Hochwasser angehoben werden können, damit sie nicht mitgerissen werden – auch wenn sie dann vorübergehend nicht mehr benutzbar sind.
Ich weiss noch, dass wir nach dem Unwetter 2005 nicht mehr zu Fuss zur Schule durften. Alle Kinder wurden gefahren. Für uns war das aufregend – aber gleichzeitig hatten alle auch Angst.

Ein Ort der Freiheit
Trotz allem war die Emme für uns immer auch ein Treffpunkt. Im Sommer haben wir uns dort mit Kolleginnen und Kollegen getroffen, ein Feuer gemacht – das war unser Ausgang, lange bevor wir alt genug für Bars waren.
Ein Abend an der Emme bedeutet für mich bis heute Freiheit. Auch heute gehe ich im Sommer viel lieber dort ins Wasser als in die Badi. Die Emme ist nicht nur Teil meiner Kindheit, sondern bis heute ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehre.

Zwischen Faszination und Respekt
Wenn ein Aaschutz kommt, stehen viele Menschen an sicheren Orten und beobachten das Geschehen. Es ist ein seltsames Gefühl – irgendwo zwischen Respekt, Angst und Staunen. Im Dorf ist das danach oft noch lange das Gesprächsthema.
Gleichzeitig ist die Betroffenheit gross. Besonders Gemeinden wie Schangnau werden immer wieder schwer getroffen. Hochwasser zeigen, wie zerstörerisch die Emme sein kann. Häuser werden beschädigt, Strassen unpassierbar, Existenzen bedroht. Und trotzdem bauen die Menschen immer wieder auf – und lernen, mit dem Fluss zu leben.

Ein Wissen, das bleibt
Dieses Wissen wurde uns weitergegeben, fast selbstverständlich. Es gehört hier dazu, wie der Fluss selbst. Denn die Emme ist für mich beides: ein magischer Ort – und eine Naturgewalt, die Respekt verlangt.

Herkunft des Wissens

Da ich in der Nähe der Emme aufgewachsen bin, lernte ich schon als Kind den Umgang mit dem Fluss. Meine Eltern haben mich immer wieder vor den Gefahren gewarnt und ich konnte selbst verschiedene Unwetter mit einem “Aaschutz” und Hochwasser beobachten.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Das Wissen über die Emme ist wie eingebrannt in mir. Die Emme hat einen besonderen Stellenwert für mich – ich versuche oft am Wasser zu sein und beobachte sie auch immer. Wenn ein Unwetter gemeldet ist, schaue ich gespannt auf die Veränderung des Flusses und warte öfters auf einen “Aaschutz”.

Bilder

Ansichtskarte Hochwasser 1927 (Sammlung Regionalmuseum Chüechlihus)

Unwetter 2014 im Emmental

Unwetter im Emmental

Unwetter im Emmental

Video

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