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Vom Bären zum Tempel

Vorname/Name
Simone Fankhauser
Jahrgang
1974
PLZ/Ort
3400 Burgdorf
Kurzbeschrieb

Durch persönliche Begegnungen und Freundschaften habe ich über viele Jahre hinweg viel Wissen über die tamilische Kultur und ihre Traditionen im Emmental gewonnen, die hier seit den 1980er-Jahren hier fest verankert sind.

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Text

Der Ganesha ist eine der zentralen Gottheiten im Hinduismus. Ihm – auch Vinayagar genannt – ist der hinduistische Tempel in Bärau gewidmet, dem religiösen Zentrum der Tamilinnen und Tamilen im Emmental. Meine eigene Begegnung mit der tamilischen Diaspora begann schon früh.

1989 wurde das Hotel Restaurant Bären in Sumiswald vorübergehend als Unterkunft für tamilische unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genutzt. Meine Schwester arbeitete dort als Lehrerin und lud ihre Familie zur Weihnachtsfeier im Saal des Restaurants ein. Ich war damals 15 Jahre alt, fasziniert von den Menschen und ihrer Kultur. Von da an verbrachte ich fast jedes Wochenende bei ihnen. Wir hörten gemeinsam Musik, spielten Pingpong, machten Spaziergänge oder Ausflüge und versuchten uns trotz aller Unterschiede zu verständigen. Im Sommer 1990 nahm ich auch am Sommerlager der Gruppe am Greyerzersee teil.

Als das Restaurant Bären verkauft wurde, musste die Unterkunft weiterziehen. Nach einer Übergangslösung in der Käserei Schonegg fand sie ab Weihnachten 1990 in der alten Strickerei Loosli in Wyssachen ein neues Zuhause. Auch dort war ich häufig zu Besuch und begann nach und nach einige Wörter Tamil zu lernen. Ab 1993 wohnte ich selbst in Sumiswald und hatte immer mehr Kontakt mit tamilischen Frauen. Ich wagte mich zunehmend, Tamil zu sprechen. Heute verstehe ich die Sprache sehr gut und kann mich fliessend verständigen, auch wenn ich Tamil nie lesen oder schreiben gelernt habe.

1996 heiratete ich meinen tamilischen Partner in Sumiswald. Zwei Jahre später, 1998, fand unsere traditionelle hinduistische Trauungszeremonie im Restaurant Löwen in Wasen statt. Auch unsere Kinder wurden in dieser Tradition aufgenommen: 30 Tage nach ihrer Geburt feierten wir jeweils die hinduistische Namensgebungszeremonie, und der erste Tempelbesuch führte selbstverständlich nach Bärau.

Dass sich im Emmental eine grosse tamilische Diaspora gebildet hat, hängt auch mit den Arbeitsplätzen in der Industrie und den im Vergleich zur Stadt günstigeren Wohnungen zusammen. Viele Tamilinnen und Tamilen, die einst in der Flüchtlingsunterkunft im Bären lebten, sind der Region treu geblieben und haben hier eine neue Heimat gefunden. Daraus entstand auch der Wunsch nach einem eigenen hinduistischen Tempel für gemeinsame Gottesdienste. Zunächst entstand ein provisorischer Tempel in einer Baracke in Langnau, später fand die Gemeinschaft in Bärau eine grössere und dauerhafte Bleibe.

An der tamilischen Kultur fasziniert mich bis heute ihre grosse Vielfalt, die ausserordentliche Gastfreundschaft und natürlich das köstliche Essen. Und auch etwas typisch Emmentalisches zeigt sich in dieser Geschichte: Gebäude werden neu genutzt, und aus anfänglicher Skepsis wird mit der Zeit Offenheit. Heute sind Tamilinnen und Tamilen ein geschätzter Teil der Emmentaler Bevölkerung.

Herkunft des Wissens

Nach einem ersten Besuch in der Flüchtlingsunterkunft im Restaurant Bären nahm ich regen Anteil an der Geschichte und Kultur der tamilischen Flüchtlinge in der Gemeinde Sumiswald/Wasen und wurde auch ein Teil der tamilischen Familie. Ich habe viele Familien bei Behördengängen unterstützt, Nachhilfeunterricht gegeben, Kinder gehütet und auch mündliche Übersetzungen gemacht.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Die tamilische Kultur ist ein Teil von mir und meinen Kindern. Mein Freundeskreis ist bunt durchmischt, mit vielen pflege ich eine über 30-jährige Freundschaft. Meinen Kindern gebe ich die Vielfalt und Gastfreundschaft der tamilischen Kultur mit und die Freude an der tamilischen Sprache – die älteste Sprache der Welt, die bis heute gesprochen wird.

Bilder

25.12.1989 Weihnachtsfest der tamilischen minderjährigen Flüchtlinge im Bären Sumiswald

06.1990 Käserei Schonegg, Sumiswald: Zwischenunterkunft der tamilischen Jugendlichen

15.12.1990 Eröffnung der Unterkunft in der alten Strickerei Loosli.

29.08.1998 traditionelle hinduistische Trauungszeremonie im Restaurant Löwen, Wasen

16.09.2005 erster Tempelbesuch meiner 5 Wochen alter Tochter im hinduistischen Tempel Bärau

Video

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