ES_0053
Bärner Platte – ein Winteressen
Vorname/Name
Margreth + Sarina
Jahrgang
1996
PLZ/Ort
3436 Zollbrück
Kurzbeschrieb
Die Bärner Platte war früher vor allem ein Winteressen. Nach dem Schlachten wurden Fleisch und Würste in der Rauchküche haltbar gemacht und später zusammen mit Vorräten wie Sauerkraut oder Dörrbohnen gekocht. Für mich gehören dazu aber vor allem Kindheitserinnerungen – besonders an die Zungenwürste eines Verwandten aus dem Trub.
Schlagworte
Teilen
Text
Heute gilt die Bärner Platte als typisch bernisches Gericht und wird oft als Tradition gepflegt. Viele kennen sie aus Restaurants oder von besonderen Anlässen. Früher hatte dieses Essen jedoch einen ganz praktischen Hintergrund und war eng mit dem bäuerlichen Alltag verbunden.
Gerade im Winter wurde auf den Bauernhöfen häufiger geschlachtet. Einerseits standen weniger Futtermittel zur Verfügung, andererseits musste Fleisch für längere Zeit haltbar gemacht werden. Weil nach einer Schlachtung auf einmal grosse Mengen Fleisch vorhanden waren, musste ein Weg gefunden werden, dieses zu konservieren. Dabei spielte die Rauchküche eine wichtige Rolle. Durch das Räuchern konnten Würste, Speck und andere Fleischstücke länger aufbewahrt werden und standen über längere Zeit als Vorrat zur Verfügung.
Die Bärner Platte entstand aus genau solchen Vorräten. Geräuchertes Fleisch, Würste, Speck und weitere Fleischstücke wurden zusammen mit haltbar gemachtem Gemüse wie Sauerkraut oder Dörrbohnen gekocht. Im Winter gab es schliesslich kaum frisches Gemüse. So entstand aus dem, was vorhanden war, eine reichhaltige Mahlzeit.
Um die Bärner Platte gibt es auch eine bekannte Geschichte. Der Erzählung nach sollen Frauen nach der Schlacht bei Neuenegg verschiedene Vorräte aus ihren Häusern zusammengetragen haben, um heimkehrende Männer mit einer grossen Mahlzeit zu empfangen. Ob sich alles genau so zugetragen hat, lässt sich heute kaum sagen. Die Geschichte zeigt aber gut, worum es bei der Bärner Platte ging: Jeder brachte etwas mit, und aus vielen einzelnen Zutaten entstand etwas Gemeinsames.
Wenn ich an die Bärner Platte denke, denke ich aber vor allem an die Zungenwurst. Ein Verwandter von mir hatte eine Metzgerei und stellte selbst Zungenwürste her. Als Kind liebte ich sie. Wenn wir Verwandte im Trub besuchten, gehörte es fast dazu, dass wir etwas davon probieren durften. Für mich gab es damals keine bessere Zungenwurst als seine.
Heute esse ich selbst kein Fleisch mehr und die Bärner Platte gehört nicht zu meinen Lieblingsessen. Trotzdem verbinde ich mit der Zungenwurst bis heute etwas Vertrautes. Der Geschmack ist für mich mit Erinnerungen an Besuche bei der Familie im Trub verbunden. Ich denke, die Bärner Platte ist heute mehr Tradition und Symbol geworden als alltägliches Essen.
Herkunft des Wissens
Überlieferungen aus der Familie und eigener Erinnerung, zur Bärner Platte, Wissen über frühere bäuerliche Lebensweisen sowie persönliche Erinnerungen aus der Familie.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Ich finde es sehr spannend, Zusammenhänge zu verstehen und erkennen. Allerdings nützt mir das Wissen im Alltag nichts mehr – auch weil ich selbst die Bärner Platte nicht mag. Gleichzeitig verbinde ich damit persönliche Erinnerungen an Familie und Kindheit.





