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Körperpflege früher

Vorname/Name
Susanna
Jahrgang
1952
PLZ/Ort
3432 Lützelflüh
Kurzbeschrieb
Ich bin ohne Badezimmer aufgewachsen, das war damals üblich. Mit einem solchen Emaillebecken habe ich mich früher gewaschen.  Das Warmwasser musste gekocht werden. Gebadet wurde selten, oft im selben Wasser nacheinander in einer Wanne draussen, im Sommer im Brunnen. Einmal im Monat duschten wir zudem in der Schulhauswaschküche. Hygiene bedeutete Sparsamkeit.
Schlagworte
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Text

Ich bin im oberen Stärenberg in Langnau geboren und aufgewachsen und besuchte die Schule im Hühnerbach. Meine Kindheit war typisch für das Emmental – ländlich und bäuerlich geprägt. Viele in meinem Alter sind so aufgewachsen.

Als ich klein war, gab es bei uns kein Badezimmer, wie in vielen Bauernhäusern damals. Noch heute ist das in manchen Häusern hier so. Gewaschen haben wir uns daher mit einem Wasserbecken aus Emaille, einem Stück Seife und einem Waschlappen. Immer Samstag war Waschtag, bevor wir sonntags in die Kirche gingen. Meine Mutter kochte dafür Wasser auf, denn fliessend warmes Wasser gab es noch nicht. Es war ein festes Ritual.

Die Haare wurden allerdings nur zu besonderen Anlässen gewaschen – etwa fürs Examen oder fürs Schulfest. Auch deshalb trugen wir Mädchen oft Zöpfe. Selten wurde auf dem Hof draussen eine Badewanne mit Wasser gefüllt und wir wuschen uns dort. Dann badeten wir aber nacheinander im selben Wasser – das jüngste Kind zum Schluss. Und im Sommer war es üblich, zum Abschluss der Saison ein Bad im kalten Brunnen zu nehmen. Im Winter gingen wir zudem einmal im Monat in der Schulhauswaschküche duschen, mit Badekleid und Badekappe.

Die Hygiene ist nicht annähernd mit der von heute zu vergleichen. Wie das im Klassenzimmer von uns Bauernkindern gerochen hat… Und trotzdem sind wir gross und stark geworden. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie wir damals aufgewachsen sind.

Daraus lernte ich, sparsam mit Wasser umzugehen und nichts zu verschwenden. Das hat mich geprägt. Man entwickelt ein tiefes Verständnis für einen bewussten Umgang mit Ressourcen – und doch: Heute schätze ich es sehr, jederzeit duschen zu können und nicht nur zweimal im Jahr Wäsche zu machen.

Herkunft des Wissens

Gelernt und erlebt von zuhause…. Es gab keine andere Wahl.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Erzähle es meinen Kinder oder wenn ich darauf angesprochen werde, gibt dann immer ein grosses Erstaunen und Nasenrümpfen. Wir sind alle gross geworden und abgehärtet….waren weniger krank als die heutige Jugend. «CHLI DRÄCK HET NÜT GSCHADET!»

Bilder

Mein Elternhaus, Bauernhof Ober Stärenberg, 1980er-Jahre

Klein Suseli mit geflochtenen Haaren, um 1957

Um die schöne Tracht zu tragen, hat man sich gewaschen, um 1964

Für das Schulfest wuschen wir sogar die Haare

Video

U du, weisch no meh?

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