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Der Alphornkalender

Vorname/Name
Jena Nathan
Jahrgang
1985
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb
«Brattig» geht auf die historische «Praktik» zurück, eine Sammlung von Kalendern mit Wetterregeln, Berechnungen und Prophezeiungen. Der Alphornkalender erschien 1926 erstmals in Langnau. Das gelbe Jahrbuch mit Geschichten, Bauernregeln, Wetterkalender, Witzen und Platz für Notizen begleitete Generationen. Die letzte Ausgabe erschien 2022.
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Text

Brattig für das Emmental

Das Wort «Brattig» leitet sich von der historischen «Praktik» ab. Damit waren früher astrologische und nützliche Berechnungen, Wetterregeln und Prophezeiungen gemeint, die in Kalendern veröffentlicht wurden. Der Begriff steht auch in Verbindung mit dem Wort «praktisch».

Der Alphornkalender erschien erstmals im Jahr 1926. Er war ein traditionelles bernisches Jahrbuch mit Beiträgen zu Heimatkunde, Volksgut und Unterhaltung und seit Generationen fest in Langnau im Emmental verankert. Das gelbe Buch mit der Abbildung eines Sennen mit Alphorn, gestaltet vom bekannten Künstler Rudolf Münger, war in vielen Bauernhaushalten nicht wegzudenken. Gedruckt wurde es vom Emmenthaler Druck in Langnau, die auch die Anzeiger druckten.

Die erste Ausgabe von 1926 umfasste 160 Seiten und enthielt bereits zahlreiche Werbeanzeigen. Sie kostete einen Franken.

Nachdem die Druckerei in Langnau geschlossen worden war, übernahm Markus Rubli das Verlags- und Verkaufsrecht. Unter dem Namen Licorne Verlag wurde der Alphornkalender weiterhin herausgegeben und in Murten gedruckt. Die letzte Ausgabe erschien im Jahr 2022.

Der Inhalt war vielseitig: Neben dem Kalendarium für jeden Monat fanden sich Namenstage, Bauern- und Wetterkalender, Platz für persönliche Notizen, lokale Beiträge, Geschichten zum Vorlesen, Sagen und Witze. Dazu kamen Seiten für Kinder und Jugendliche, Werbung, politische Beiträge, der Märitkalender des Kantons Bern sowie Tipps und Tricks für den Haushalt und Reiseberichte.

Die Ausgabe für das kommende Jahr musste jeweils rechtzeitig zum Kalten Markt erhältlich sein.

Ein besonderer Bestandteil war der Wetterkalender. Der sogenannte hundertjährige Kalender enthielt Wetterregeln und Vorhersagen, die auf einem sich wiederholenden Zyklus beruhten. Diese Angaben spielten für die bäuerliche Bevölkerung eine wichtige Rolle.

Im Alphornkalender fanden sich auch immer wieder humorvolle Geschichten und kuriose Druckfehler. So wurde einmal über den Goldwäscher Ruedi Aeschbacher berichtet, der inzwischen verstorben ist. Aufgrund eines Druckfehlers lautete die Bildlegende jedoch: «Ruedi Aeschbacher, Schweizermeister im Geldwaschen» – statt «Goldwaschen».

Eine besondere Eigenheit des Brattigs war ein kleines Loch oben links. Damit konnte man den Kalender aufhängen. In vielen Bauernhäusern befand sich oberhalb des Ofens eine Stange, an der Kleider und andere Gegenstände aufgehängt wurden. Dort fand auch der Kalender seinen Platz. Am Abend wurde darin gelesen oder geblättert.

Als die Druckerei später Kosten sparen wollte, wurde das Loch nicht mehr ausgestanzt. Das sorgte bei der Leserschaft für Unmut. Einige versuchten sogar, das Loch nachträglich mit einer Bohrmaschine anzubringen – allerdings ohne Erfolg.

Auch der fehlende Platz für persönliche Notizen wurde bemängelt. Die Menschen nutzten diese Seiten nämlich für Einträge aus ihrem Alltag: Sie hielten beispielsweise fest, wann sie etwas gesät hatten, wann es geschneit hatte oder andere wichtige Ereignisse im Jahresverlauf. Dadurch wurde der Brattig nicht nur zu einem Kalender, sondern auch zu einem persönlichen Begleiter und Erinnerungsbuch für die Emmentaler Bauern.

Herkunft des Wissens

Fritz Strahm, pensionierter Primarlehrer, Langnau, hat mich an der OGA angesprochen, dass er sein lokales Wissen mit uns teilen möchte. Ich habe mit ihm Kontakt aufgenommen und ihn interviewt.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Bilder

Der erste Alphornkalender im Jahr 1926

Der letzte Alphornkalender im Jahr 2022

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