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Der Bären in Trubschachen

Vorname/Name
Jena Nathan
Jahrgang
1985
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb
Seit bald sieben Jahrhunderten gehört der Bären zum Dorfbild von Trubschachen. Generationen von Menschen sind durch seine Türen gegangen: Reisende, Bauern, Handwerker, Postboten, Vereine, Familien und Einheimische. Was heute wie ein stattlicher Emmentaler Gasthof erscheint, ist damit weit mehr als ein Restaurant. Der Bären ist ein Stück lebendige Dorfgeschichte.
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Wer heute vor dem Gasthof zum Bären an der Trubstrasse 1 steht, ahnt kaum, wie weit seine Geschichte zurückreicht. Bereits 1356 wird an dieser Stelle erstmals urkundlich ein Wirtshaus erwähnt. Damit gehört der Bären zu den ältesten nachweisbaren Gasthäusern der Schweiz. Seit 1569 besitzt die Taverne das Tavernenrecht. Dieses Recht war von grosser Bedeutung: Nicht jeder durfte damals einfach Gäste bewirten und Wein oder andere Getränke ausschenken. Eine Taverne war ein behördlich bewilligter Ort der Einkehr und Beherbergung.

 

Ein Gasthaus an einem wichtigen Weg

Die Lage des Bären war kein Zufall. Trubschachen lag an einer wichtigen Verbindung durch das Emmental und in Richtung Entlebuch. In einer Zeit, in der die Menschen zu Fuss, mit Pferden oder Fuhrwerken unterwegs waren, waren Gasthäuser unverzichtbare Stationen. Hier konnte man sich stärken, übernachten, Neuigkeiten austauschen und auf der Weiterreise ausruhen.

Ein Gasthaus war deshalb früher auch ein sozialer Mittelpunkt. Hier begegneten sich Menschen aus verschiedenen Dörfern und Tälern. Nachrichten machten die Runde, Geschäfte wurden besprochen und vermutlich wurde an manchem Tisch länger diskutiert, als es der Wirtin oder dem Wirt lieb war.

 

Der Brand von 1697

Ein besonders einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Bären ereignete sich am 21. Januar 1697. Das damalige Wirtshaus brannte vollständig nieder.

Wie die Menschen dieses Unglück damals deuteten, zeigt ein Eintrag im Chorgerichtsmanual. Dort wird der Brand in ungewöhnlich drastischen Worten als göttliches Strafgericht dargestellt. Das Wirtshaus sei ein Ort gewesen, «darinnen so vil gottlosigkeit verübt worden» und deshalb durch das «gerechte gericht Gottes» verbrannt worden.

Heute wirkt eine solche Deutung befremdlich. Für die damalige Gesellschaft war sie jedoch durchaus verständlich. Feuer, Krankheiten, Missernten und andere Katastrophen konnten nur schwer erklärt werden. Religiöse Vorstellungen prägten den Alltag und auch die Art, wie Unglück gedeutet wurde.

Nach dem Brand begann der Wiederaufbau. Ab 1698 wurde die Taverne neu errichtet; die Baugeschichte zog sich bis 1734 hin. Seit 1734 ist der Name «Gasthof Bären» belegt. Damit beginnt die Geschichte jenes Bären, den wir heute kennen.

 

Ein Haus mit Charakter

Der heutige Gasthof ist ein eindrucksvoller Emmentaler Bau. Die Gemeinde beschreibt ihn als elfachsigen Ständerbau mit geknicktem Krüppelwalmdach und einer schwungvollen Ründi. Die dunkel bemalten Ständer lassen das Gebäude beinahe wie einen Fachwerkbau erscheinen. Besonders auffällig sind die aufwendig gestaltete Fassade, die profilierten Fensterbänke und Fensterverdachungen sowie die doppelten Zopfbüge.

Auch die Ründi erzählt ihre eigene Geschichte. 1937 liess Emma Hofer die Fassade bemalen. Ihr Sohn Willi Hofer erneuerte die Bemalung 1974 gemeinsam mit Josef Fischer und Walter Ochsner. 2009 restaurierte Walter Ochsner die Malereien erneut.

Über dem Gasthof wacht bis heute der namensgebende Bär. Die grosse Bärenfigur wurde vom Bildhauer Huggler aus Brienz geschnitzt. So trägt das Gebäude seinen Namen nicht nur auf dem Papier – der Bär ist tatsächlich Teil seiner sichtbaren Identität.

 

Der Bären und die Post

Wie eng der Gasthof einst mit dem täglichen Leben des Dorfes verbunden war, zeigt auch die Geschichte der Post.

1855 wurde der damalige Bärenwirt Christian Blaser zum Ablagehalter der Post in Trubschachen ernannt. Damit war der Gasthof nicht nur Ort für Essen und Trinken, sondern zugleich Teil der örtlichen Postversorgung. Blaser hatte zusätzlich den Briefträgerdienst zu versehen und die Post dreimal wöchentlich auszutragen.

Man kann sich gut vorstellen, was dies für den Gasthof bedeutete: Briefe wurden erwartet, Nachrichten abgeholt und Neuigkeiten aus der weiten Welt machten hier Halt. Der Bären war damit ein Ort, an dem sich die grosse Welt und das kleine Dorf begegneten.

123 Jahre Familie Hofer

Ein besonders langes Kapitel begann 1871, als der Bären in den Besitz der Familie Hofer gelangte. Während 123 Jahren, bis 1994, blieb das Gasthaus in den Händen dieser Familie. Mehrere Generationen von Hofers prägten damit nicht nur den Betrieb, sondern auch das Erscheinungsbild und die Geschichte des Hauses.

1994 ging der Bären an Urs und Fränzi Mäder-Künzi über. Seit dem 1. Oktober desselben Jahres führen sie den traditionsreichen Gasthof und setzten damit eine mehr als sechs Jahrhunderte alte Wirtetradition fort.

 

Ein neues Kapitel

Im Jahr 2026 steht der Bären erneut an einem Wendepunkt. Nach mehr als drei Jahrzehnten als Wirtsleute suchen Urs und Fränzi Mäder eine Nachfolge. Urs Mäder wird 2027 pensioniert. Damit endet möglicherweise eine weitere lange Ära in der Geschichte des Hauses.

Was danach kommt, ist offen. Sicher ist aber: Der Bären ist nicht irgendein altes Gebäude. Er hat Kriege, politische Veränderungen, neue Verkehrswege, technische Entwicklungen und unzählige Generationen von Menschen erlebt. Während sich Trubschachen rund um ihn verändert hat, blieb er als markanter Gasthof bestehen.

Vielleicht liegt genau darin sein besonderer Wert. Ein Heimatort besteht nicht nur aus alten Häusern, Jahreszahlen und Dokumenten. Heimat entsteht dort, wo Menschen Geschichten hinterlassen. Im Bären wurden über Jahrhunderte Geschichten erzählt, Entscheidungen getroffen, Freundschaften gepflegt, Feste gefeiert und Abschiede genommen.

Wenn die alten Mauern erzählen könnten, hätten sie wohl einiges zu berichten. Vom Wirtshaus, das 1697 in Flammen aufging. Von Reisenden auf dem Weg durchs Emmental. Von Briefen, die beim Bären ankamen. Von den Generationen der Familie Hofer. Von den Mäders, die seit 1994 den Betrieb weiterführten.

Und vielleicht würden sie uns daran erinnern, dass ein Gasthaus wie der Bären nie bloss ein Gebäude war.

Es war und ist ein Ort der Begegnung – und damit ein Stück gelebte Geschichte von Trubschachen.

Herkunft des Wissens

Ich habe auf der Gemeinde Trubschachen gearbeitet, deshalb weiss ich, dass das der älteste Bären der Schweiz ist.

Nutzen des Wissens
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