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Das Centro Italo in der Zürcher Fabrik
Vorname/Name
Ersilia Bischof-Bernini
Jahrgang
1958
PLZ/Ort
3550 Langnau i. E.
Kurzbeschrieb
Das Geräusch des Weberschiffchens ist mir bis heute in den Ohren. Der Klang stammt von der Tuchfabrik Zürcher, wo die Webstühle lärmten. Meine Mutter arbeitete dort und mein Bruder initiierte später die Gründung des Centro Italo-Svizzero darin, einem Treffpunkt für die damaligen «Gastarbeiter». Meine Familie hat sich für das Leben von Italienern im Emmental sehr engagiert.
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Text
Der Bleicheweg, wo ich aufgewachsen bin, liegt in der Nähe der Zürchermatte. Dort, wo heute die Zürchermatte-Überbauung steht, befand sich bis ca. 2021 die Tuchfabrik Zürcher. Leider sieht man nichts mehr von diesem wunderbaren Backstein-Gebäude. Ich erinnere mich aber sehr gut an die grossen Räume mit den lauten Rüti-Webstühlen – ein Geräusch, das wir am Bleicheweg von morgens bis abends hörten und das sogar weiter weg, zum Beispiel auf dem Mörker, noch deutlich wahrnehmbar war. Die Weberschiffchen wurden hin und her geschickt, es knallte und tätschte. Dieses Geräusch ist mir noch immer in den Ohren.
Meine Mutter arbeitete in der Tuchfabrik Zürcher als Weberin. Sie war 1957 aus Italien nach Langnau gekommen, zehn Jahre nach meinem Vater. 1947 kam er als wohl erster Italiener der Nachkriegszeit als Schreiner nach Trub. Familiennachzug war damals aber erst nach zehn Jahren erlaubt.
Als Kind war ich oft in der Tuchfabrik bei meiner Mutter. Die grossen Ballen mit der Wolle waren für uns Kinder ein Paradies – besser als jedes «Gumpizelt», das heute an Festen aufgestellt wird. Im hinteren Teil der Fabrik gab es einen Anbau, in dem die Stoffe kontrolliert wurden. Türme von Wollstoffballen standen in einer Ecke. Ich konnte mich ganze Nachmittage dort verstecken und den Gesprächen der Frauen lauschen – unter anderem auch meiner Mutter –, die Noppen im Stoff suchten oder Fäden nachzogen. Angestellt waren Schweizer, Italiener und Deutsche.
Im Gebäude dieser Tuchfabrik Zürcher, im ersten Stock, eröffnete ab 1970 das Centro Italo-Svizzero – ein helles Lokal mit viel Licht durch das Glasdach. Im Komitee waren die federführenden Italiener, die in Langnau unter den Immigranten das Sagen hatten: Bernini, Tretola, Trentadue, Papa, Favot, etc. Auch an ein paar Helfer kann ich mich erinnern: engagierte Langnauer wie Schild, Stämpfli, Schneider, Landolt etc., sowie die Gemeinde, die die Bewilligung erteilte.
Zu dieser Zeit versammelten sich an den Wochenenden immer wieder alleinstehende italienische Männer am Bahnhof Langnau. Es waren vorwiegend Saisonniers, die ihre Familien (noch) nicht nachziehen durften. Diese Versammlungen waren der Bevölkerung ein Dorn im Auge. Adelio Bernini, mein Bruder, damals Anfang zwanzig, hatte deshalb die Idee, ein Centro zu gründen, in dem sich die Italiener treffen konnten. Vor der Gründung des Centros war unsere einfache Wohnung ein Treffpunkt für viele Neuankömmlinge, die in unserer Familie Unterstützung und etwas Wärme suchten, doch diese platze aus allen Nähten.
Das Centro Italo – Svizzero war jeweils Samstag und Sonntag geöffnet. Kartenspielen war der beliebteste Zeitvertreib. Hier konnten die Italiener auch Hilfe bezüglich Arbeitsbewilligungen etc. erhalten, zum Beispiel bei Adelio, der auch Corrispondente Consolare war. Ebenso gab es hier italienische Lebensmittel zu erwerben, vor allem Wein und Pasta, geliefert von Ferrari in Burgdorf. Im Schlafzimmer meiner Eltern befand sich ebenfalls ein Lager mit italienischen Lebensmitteln für die Italiener hier im Dorf.
Das Centro löste sich auf, als viele in die Heimat zurückkehrten und weil die grossen Baufirmen Stämpfli und Marazzi eher nach Thun und Bern zogen.
Herkunft des Wissens
In bin in Langnau in einer italienischen Immigrantenfamilie aufgewachsen. Wir wohnten am Bleicheweg, in der Nähe der Zürcherfabrik und waren damit sehr verbunden.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Ich gebe es jeder und jedem weiter, der an der Vergangenheit interessiert ist, vor allem meinen Kindern. Manchmal kommen gewisse Themen auch während meinen Dorfführungen zum Zuge.












