
ES_0091
Usstüür
Vorname/Name
Elisabeth
Jahrgang
1946
PLZ/Ort
3532 Mirchel
Kurzbeschrieb
Früher gehörte eine Aussteuer selbstverständlich zur Heirat. Bett- und Küchenwäsche, Geschirr, Besteck und viele weitere Haushaltsgegenstände wurden über Jahre gesammelt und in die Ehe mitgebracht.
Elisabeth erzählt, welche Gegenstände zu ihrer Aussteuer gehörten, warum diese so wichtig waren und welche sie bis heute nutzt.
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Text
Früher war die Aussteuer sehr wichtig. Wenn ein Mädchen heiratete, sollte es genügend Wäsche für den neuen Haushalt mitbringen: Bettwäsche, Handtücher, Abtrocktücher und alles, was man im Alltag brauchte. Ich hatte ein halbes Dutzend Unterleintücher und ein halbes Dutzend Oberleintücher. Dazu kamen zwei Wolldecken sowie Bettanzüge mit Kissen – ebenfalls je ein halbes Dutzend, damit man wechseln konnte.
Zur Aussteuer gehörten ausserdem ein Dutzend Abtrocktücher, ein Dutzend Handtücher, Waschlappen und Frottierwäsche. Auch Abwaschlappen hatte man genügend.
Besonders wichtig war ein komplettes zwölfteiliges Geschirrservice mit Suppentellern, flachen Tellern, Desserttellern, Chacheli (Tassen), Untertellern, einem Milchhafen und sogar einem Kaffeehafen zum Einschenken. Dazu gehörten auch eine Zuckerdose und einfach das ganze Geschirr.
Unsere Mutter verlangte von uns Mädchen immer, dass wir eine solche Aussteuer mit in die Ehe bringen. Das gehörte einfach dazu. Heute ist das ganz anders. Viele heiraten und haben manchmal nicht einmal Abtrocktücher oder Gläser im Haushalt. Ich hatte zum Beispiel auch ein Dutzend Gläser.
Zur Aussteuer gehörten ausserdem viele weitere Haushaltsgegenstände: Kellen, Schwingbesen, Messer, Gabeln und ein komplettes Besteck – alles jeweils mindestens ein Dutzend, sodass man den Haushalt vollständig einrichten konnte.
Damals war das sehr wichtig, besonders meiner Mutter. Sie hatte sechs Mädchen, und wir mussten nach und nach alles zusammensparen und anschaffen. Dafür kam jeweils ein Reisender vorbei. Meine Mutter bezog bei ihm einen Teil ihrer Einkäufe, und dort kaufte ich schliesslich meine ganze Aussteuer für den Haushalt.
Früher hätten manche Familien den Töchtern auch noch viel Geld mitgegeben. Das war bei uns aber nicht üblich. Das hätten wir uns gar nicht leisten können.
Im Grossen und Ganzen gehörte all das zu einer Aussteuer, wenn man heiratete. Heute ist das natürlich ganz anders.
Einige Dinge aus meiner Aussteuer besitze ich heute noch. Drei Unterleintücher habe ich behalten und verwende sie zum Abdecken. Die beiden alten Wolldecken dienen mir heute manchmal als Sonnenschutz. Auch in der Küche benutze ich noch viele Kellen von früher. Es freut mich, dass diese Dinge bis heute ihren Zweck erfüllen.
Als ich mein zweites Kind bekam, sagte die Hebamme zu mir: «So viel Bettwäsche habe ich bei einer jungen Frau noch nie erlebt – da könnte man ja beinahe jeden Tag die Bettwäsche wechseln.»
Herkunft des Wissens
Ich habe meine Aussteuer über Jahre zusammengestellt. Meine Mutter legte grossen Wert darauf, dass wir Mädchen alles für den eigenen Haushalt beisammenhatten. Viele der damaligen Gegenstände benutze ich bis heute.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Heute gibt es zwar keine Aussteuer mehr, aber ich benütze noch heute meine Objekte von damals. Die bedeuten mir immer viel, da ich lange sparen musste, damit ich die Objekte kaufen konnte.
Audio
Elisabeth über ihre Aussteuer





