
ES_0144
Ein sehr altes Haus
Vorname/Name
Alexander
Jahrgang
1977
PLZ/Ort
2502 Biel
Kurzbeschrieb
Seit 500 Jahren steht das Chüechlihus am Langnauer Bärenplatz und erzählt mit seinen Balken, seinem Dach und seinen besonderen Details von vergangenen Zeiten. Wer genau hinschaut, entdeckt Spuren eines aussergewöhnlichen Gebäudes, dessen ursprüngliche Nutzung jedoch bis heute auch viele Fragen offenlässt.
Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.
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Text
Heute weiss man, dass das Chüechlihus im Jahr 1526 erbaut wurde. Damit ist es das älteste weitgehend original erhaltene Holzgebäude der Region Emmental.
Doch so alt das Haus ist, so viele Fragen zu seiner Geschichte gibt es bis heute. Wer liess es erbauen? Wofür wurde es genutzt? Schriftliche Quellen aus dieser Zeit gibt es kaum. Vieles lässt sich deshalb nur aus dem Gebäude selbst und seiner Lage erschliessen.
Das Chüechlihus entstand an bester Lage: Gegenüber befand sich die Chramlaube, unter der Waren gehandelt wurden. Gleich in unmittelbarer Nähe standen die beiden Gasthäuser – der Bären und der Löwen – und die Kirche. Im 16. Jahrhundert war Langnau ein bedeutender Handelsort. Als einer der wenigen Orte neben den Städten wie Bern und Luzern besass Langnau das Marktrecht. Menschen aus der ganzen Region kamen hier zusammen, um Waren zu kaufen, zu verkaufen und Neuigkeiten auszutauschen. Die Lage des Hauses lässt vermuten, dass auch seine Nutzung eng mit dem Markt verbunden war.
Auch seine Bauweise ist aussergewöhnlich. Das Chüechlihus passt in keinen bekannten Bautyp der Region. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss wurden als Ständerbohlenbau errichtet. Dabei tragen senkrechte Holzpfosten die Konstruktion, während die Zwischenräume mit waagrechten Bohlen ausgefüllt sind. Darüber folgt ein Blockbau, bei dem die Balken waagrecht übereinandergeschichtet werden. Beide Bauweisen verlangen grosses handwerkliches Können. Die Holzteile sind präzise miteinander verbunden und kommen fast vollständig ohne Metallnägel aus.
Auch das Dach fällt sofort auf. Es ist deutlich steiler als die Dächer der meisten Häuser aus dieser Zeit. Im 16. Jahrhundert waren so steile Dächer selten. Holzschindeln wurden damals meist lose aufgelegt und mit Steinen beschwert. Für ein steiles Dach mussten sie dagegen mit handgeschmiedeten Nägeln befestigt werden. Nägel waren teuer und aufwendig herzustellen. Ein solches Dach war deshalb nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein Zeichen dafür, dass das Gebäude eine besondere Stellung hatte.
Ebenso ungewöhnlich ist seine Konstruktion. Steile Dächer wurden damals meist als Sparrendächer gebaut. Das Chüechlihus besitzt jedoch eine Mischkonstruktion mit einem vergleichsweise kleinen stehenden Dachstuhl, der auf den grossen Dachkonsolen aufliegt. Diese Bauweise ist aussergewöhnlich und trägt dazu bei, dass das Chüechlihus bis heute unter den historischen Holzbauten der Region eine Besonderheit bleibt.
Wer genau hinschaut, entdeckt noch weitere Eigenheiten. Die geschnitzten Rossköpfe an den Dachkonsolen gelten als uraltes Schutzsymbol. Die waagrechte Stange an der Fassade diente vermutlich einst zum Trocknen von Flachs. Später hingen dort Feuerwehrschläuche.
Viele Fragen zur Geschichte des Chüechlihus bleiben bis heute offen. Doch gerade diese Ungewissheiten machen das Gebäude spannend. Seine Balken, Verbindungen und kleinen Details erzählen von einer Zeit, über die nur wenige schriftliche Zeugnisse erhalten geblieben sind.
Herkunft des Wissens
Dieser Wissensbeitrag wurde in Zusammenarbeit mit Alexander Kobe von der Denkmalpflege Bern erstellt.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv











