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Gar nicht so emmentalerisch…

Vorname/Name
Chüechlihus
Jahrgang
1526
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb

Habt ihr meine Geranien schon gesehen? Im Sommer leuchten ihre roten Blüten an meinen Fenstern. Ich finde, sie stehen mir gut! Dabei sind die Geranien gar nicht typisch emmentalisch: Ursprünglich stammen sie aus Südafrika. Über Europa und die Städte fanden sie ihren Weg aufs Land – und wurden schliesslich auch hier zu einem Stück Heimat.

Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.

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Text

Habt ihr meine Geranien schon gesehen? Im Sommer leuchten ihre roten Blüten an meinen Fenstern und schmücken meine alten Fassaden. Ich freue mich jedes Jahr darüber. Sie passen einfach wunderbar zu mir, oder? Für viele von euch gehören die roten Geranien genauso zu meinem Bild wie mein Holz, meine Fensterläden und meine alte Bauweise. Doch, so emmentalisch, wie meine Geranien aussehen, sind sie gar nicht!

Ihre Geschichte beginnt nicht hier im Emmental, sondern weit weg – in Südafrika. Rund um das Kap der Guten Hoffnung wachsen Geranien als genügsame Wildpflanzen. Sie sind robust, vertragen heisse Sommer und kommen mit vergleichsweise wenig Wasser aus. Im 17. Jahrhundert gelangten die Pflanzen mit holländischen und englischen Handelsschiffen nach Europa. Um 1680 wurden erste Geranien nach Europa gebracht. Die Pflanzen überstanden die lange Reise und wurden bald in botanischen Gärten und den Gärten wohlhabender Menschen kultiviert. Auch in der Schweiz tauchten die Geranien zunächst in den Städten auf. Sie schmückten die Häuser wohlhabender Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner, bevor sie ihren Weg aufs Land fanden. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie zunehmend auch an Bauernhäusern angepflanzt.

Und dann kamen sie auch zu mir, ins Emmental.

Die Geranie wurde zu einem beliebten Schmuck der Häuser und Gärten. Was zunächst eine fremde Pflanze war, wurde immer vertrauter und schliesslich zu einem festen Bestandteil des Emmentaler Landschaftsbildes. Dass die Geranie so beliebt wurde, hatte nicht nur mit ihrer Schönheit zu tun. Sie ist robust und pflegeleicht und lässt sich einfach durch Stecklinge vermehren. Wer einmal eine schöne Pflanze hatte, konnte daraus immer wieder neue ziehen. So wurden Geranien auch innerhalb der Familien weitergegeben – von Mutter zu Tochter und von Hof zu Hof. Über die Jahre wurde aus der eingewanderten Pflanze eine richtige Heimatblume. Heute sind die roten Geranien für viele von euch kaum mehr vom Bild eines Schweizer oder besonders eines Emmentaler Bauernhauses zu trennen.

Und ich? Ich möchte auf meine Geranien nicht verzichten. Wenn im Sommer ihre roten Blüten vor meinen Fenstern leuchten, bin ich schon ein bisschen stolz auf meinen Blumenschmuck. Denn auch wenn sie ursprünglich nicht von hier sind – inzwischen gehören sie zu mir. Vielleicht erzählen meine Geranien damit auch etwas über das Emmental: Unsere Heimat ist nicht abgeschlossen. Über die Jahrhunderte kamen Menschen, Pflanzen und Dinge von weit her hierher und wurden Teil unseres Alltags. Und vielleicht wird es auch in Zukunft so sein: Was heute noch fremd erscheint, kann morgen schon ein Teil unserer Heimat sein.

Herkunft des Wissens

Ich stehe seit 1526 hier in Langnau und habe in all diesen Jahrhunderten viel gesehen und erlebt. Mein Wissen über die Geranien stammt aus meiner langen Geschichte und aus den Geschichten und Recherchen, die über mich und meine Umgebung zusammengetragen wurden.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Ich sehe meine roten Geranien jeden Sommer an meinen Fenstern und weiss dabei, dass sie ursprünglich von weit her zu mir gekommen sind. Viele Menschen kennen diese Geschichte gar nicht und sehen in ihnen einfach eine typische Heimatblume. Für mich sind sie ein schönes Zeichen dafür, dass etwas Fremdes mit der Zeit ganz selbstverständlich dazugehören kann.

Bilder

Chüechlihus 2026

Emmentaler Bauernhaus, Bild Archiv Regionalmuseum Chüechlihus

Fotografie Langnau, Chüechlihus, Ende 20.Jh.

U du, weisch no meh?

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