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Störmetzgerei

Vorname/Name
Martin
Jahrgang
1970
PLZ/Ort
3556 Trub
Kurzbeschrieb
Störmetzger zogen von Hof zu Hof und schlachteten Tiere direkt auf dem Betrieb. Diese im Emmental lange verbreitete Praxis ermöglichte kurze Wege und eine enge Verbindung von Landwirtschaft und Metzgerhandwerk. Mit vielem Knowhow gelang es, das Tier vollständige zu verwerten.
Schlagworte
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Text

Wenn ich dieses Hackmesser in die Hand nehme, erinnert es mich an eine Zeit, in der Fleisch noch ganz anders verarbeitet wurde als heute. Einen Fleischwolf gab es damals noch nicht. Das Fleisch wurde von Hand gehackt, oft von Gehilfen. Das Ergebnis war natürlich nicht so fein und gleichmässig wie das maschinell produzierte Hackfleisch von heute. Es war gröber – je nachdem, wie fleissig gearbeitet wurde.

Dieses Wissen habe ich von meinem Vater gelernt. Er war Störmetzger. Als Störenmetzger zog er von Hof zu Hof und schlachtete die Tiere direkt auf dem Betrieb. Danach wurde während eines ganzen Tages das Fleisch gleich vor Ort verarbeitet. Ich habe ihn immer mal wieder dabei begleitet.

Gerade im Emmental war die Störmetzgerei lange üblich. Viele Höfe lagen abgelegen und waren schlecht erschlossen, deshalb war es einfacher, den Metzger zum Tier zu bringen als das Tier zum Metzger. Dabei ging nichts verloren. Es war selbstverständlich, auch die unedleren Teile zu verwerten. Aus Lunge und Schwarte entstand zum Beispiel eine Wurst, die im Küchenrauch geräuchert wurde – eine echte Delikatesse.

Wir könnten heute wieder viel davon lernen. Die Tiere wurden direkt auf dem Hof getötet, ohne lange und stressige Transporte. Es gab tolle Rezepte, um alles vom Tier zu verwerten. Denn Fleisch war noch kein Massenprodukt, sondern etwas Wertvolles. Vielleicht sollten wir uns wieder stärker bewusst machen, dass ein Tier nur zu einem kleinen Teil aus Steaks besteht. Wann haben Sie zuletzt eine Wurst aus Schweinehaut gegessen?

Traditionen zu pflegen bedeutet auch unbequeme Tätigkeiten nicht aus unserem Leben zu verbannen, wie das Schlachten aus dem öffentlichen Raum zu tilgen. Früher war jedes Kind schonmal bei der Metzgeten vorbei, es war öffentlich sichtbar, der Bezug zum lebendigen Tier viel näher.

Herkunft des Wissens

Als Kind eines Landwirts und Störmetzgers bin ich ganz selbstverständlich mit diesem Wissen und dieser Lebenshaltung aufgewachsen. Durch einfache Hilfsarbeiten wurde ich schon früh in die Arbeit einbezogen. Ekel oder Zweifel kamen dabei nie auf – es war einfach natürlich und normal.

Gerade dadurch lernte ich früh Ehrfurcht vor dem Leben. Die Wertschätzung für das Tier und seinen Lebenszweck bekam für mich eine besondere Tiefe. Für mich wäre es unvorstellbar, auch nur den kleinsten Teil eines Schlachttieres nicht zu nutzen.

Ein Tier zu töten und am Ende nur die «besten» Stücke zu verwenden, erscheint mir als eine fragwürdige Entwicklung unserer Zeit. Vielleicht wäre es gut, sich wieder stärker auf alte Traditionen zu besinnen – auf Respekt, Verantwortung und den bewussten Umgang mit dem, was uns ernährt.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Ganz bewusst organisieren wir einen Schlachttag. Die ganze Familie trifft sich an diesem Tag. Kinder und Enkelkinder. Alle helfen nach Kräften. Am Abend dürfen alle Fleisch mit nach Hause nehmen.

Bilder

Rezepte von meinem Vater; auch Lungen und Schwarten wurden zu Wurst verarbeitet.

Ich wurste jedes Jahr mit der ganzen Familie, Foto: privat, 2024.

Zuhause habe ich auch eine Rauchkammer, um die Würste zu räuchern. Foto: privat, 2025.

Audio

Martin erzählt im Audio über seine Erinnerungen mit der Störmetzgerei und sein Wissen über das Metzgerhandwerk

U du, weisch no meh?

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