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Das Holz verrät uns das Alter

Vorname/Name
Matthias Bolliger
Jahrgang
1981
PLZ/Ort
2575 Gerolfingen
Kurzbeschrieb

Wie alt ist ein Haus wirklich? Beim Chüechlihus erzählt nicht eine Inschrift, sondern das Holz selbst seine Geschichte. Eine kleine Bohrprobe im Balken reicht aus, um anhand der Jahrringe das Alter des Holzes zu bestimmen. Die Dendrochronologie zeigt: Die Hölzer des ältesten Gebäudeteils wurden 1524/25 und 1525/26 gefällt. Damit wurde das Chüechlihus im Jahr 1526 erbaut. Hast du die Löcher der Bohrproben entdeckt? Im e-spycher findest du Hinweise!

Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.

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Text

Wie datiert man ein Haus?
Manchmal verrät eine Inschrift das Baujahr eines Hauses. Manchmal helfen Urkunden, Pläne oder andere schriftliche Quellen. Beim Chüechlihus aber gibt das Holz selbst die genaueste Antwort. Das kleine Bohrloch beim Pfeil führt direkt in seine Geschichte – hier kommt die Dendrochronologie ins Spiel.

Wie funktioniert Dendrochronologie?
Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern déndron für Baum, chrónos für Zeit und lógos für Lehre zusammen. Die Dendrochronologie nutzt Jahrringe, um das Fälljahr eines Holzes zu bestimmen.
Jeder Baum bildet jährlich einen neuen Jahrring. In günstigen Jahren wächst er stärker, in trockenen oder kalten Jahren weniger. So entsteht ein charakteristisches Muster aus breiten und schmalen Ringen, das viele Bäume einer Region gemeinsam haben.
Durch die Überlappung solcher Muster entstehen für verschiedene Baumarten Zeitreihen, die über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende zurückreichen. Dabei werden Jahrringfolgen lebender Bäume mit älterem Bauholz und archäologischen Hölzern verbunden. Wie beim Domino überlappt ein Muster das nächste und verlängert die Zeitreihe Schritt für Schritt in die Vergangenheit.

Zur Datierung wird eine Scheibe abgeschnitten oder – wie hier beim Chüechlihus – mit einem Hohlbohrer eine schmale Probe entnommen. Die Jahrringbreiten werden gemessen und am Computer mit den bekannten Zeitreihen abgeglichen.
Ist auch der äusserste Jahrring unter der Rinde erhalten, lässt sich das Fälljahr bestimmen – oft sogar die Jahreszeit. Da Bauholz oft kurz nach dem Fällen verbaut wurde, lässt sich damit auch die Entstehungszeit eines Gebäudes sehr genau eingrenzen.

Die Untersuchung am Chüechlihus
Schon 1977, in der frühen Zeit der Dendrochronologie in der Schweiz, wurden Hölzer des Chüechlihus untersucht. Weil die damaligen Proben später nicht mehr eindeutig zugeordnet werden konnten und die Messdaten nicht überliefert sind, wurde das Gebäude 2025 erneut systematisch beprobt. So liess sich die Datierung des ältesten Gebäudeteils überprüfen und zugleich die weitere Baugeschichte genauer erfassen.
2025 wurden insgesamt 50 Bohrproben entnommen – eine davon hier beim Pfeil. Die Hölzer des ältesten Teils wurden Herbst/Winter 1524/25 und 1525/26 gefällt. Der Bau stammt damit aus dem Jahr 1526. Die Probe beim Pfeil stammt aus einer besonderen Bodenkonstruktion. Auch sie gehört bereits zum ursprünglichen Chüechlihus.
Auch spätere Bauphasen lassen sich im Holz ablesen: Der nördliche Anbau stammt von 1787, die darin eingerichtete sogenannte Kupferschmitte von 1844 und das angebaute Wohnhaus – beim heutigen Eingangsbereich des Museums – von 1849.

Faszination Dendrochronologie
Jahrtausende altes Holz kann noch heute verraten, wann ein Baum gefällt wurde. Im Kanton Bern betreibt der Archäologische Dienst ein eigenes Dendrolabor. Untersucht werden Hölzer aus historischen Gebäuden ebenso wie archäologische Funde oder Baumstämme aus alten Ablagerungen, etwa aus Mooren.
Bleibt Holz unter günstigen Bedingungen erhalten – in feuchtem, sauerstoffarmem Boden oder unter Wasser –, können selbst sehr alte Hölzer datiert werden. So lässt sich beispielsweise der Bauzeitpunkt einer römischen Brücke bestimmen oder die Entwicklung prähistorischer Pfahlbausiedlungen vor 5000 Jahren rekonstruieren.
Bei letzteren ist das Bbesonders eindrücklich ist dies bei den Pfahlbauten. Im feuchten Untergrund haben sich organische Materialien wie Holz über Jahrtausende erhalten. In Ansammlungen von oft Tausenden Pfählen zeigen die Datierungen, welche Pfähle von gleichzeitig gefällten Bäumen stammen. So lassen sich zusammengehörige Strukturen wie einzelne Gebäude erkennen und prähistorische Siedlungen über Jahre und Jahrzehnte aussergewöhnlich genau rekonstruieren. Diese jahrgenaue Rekonstruktion von Siedlungsentwicklungen ist weltweit einzigartig. Die besonderen Erhaltungsbedingungen und Forschungsmöglichkeiten sind mit ein Grund dafür, dass die prähistorischen Pfahlbauten heute zum UNESCO-Welterbe gehören.

 

Weitere Informationen auch hier:

Dendrolabor: https://www.kultur.bkd.be.ch/de/start/dienstleistungen/dienstleistungen-archaeologie/dendrochronologie.html

Herkunft des Wissens

Mich haben Holz und die Arbeit damit schon lange fasziniert. Durch mein Archäologiestudium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und meine Arbeit im Dendrolabor des Archäologischen Dienstes durfte ich über die Jahre ganz unterschiedliche Aspekte dieses Rohstoffes kennenlernen. Im Rahmen meiner Doktorarbeit habe ich mich zudem intensiv mit den Pfahlbausiedlungen am Bielersee und der Waldnutzung in der Jungsteinzeit beschäftigt.

Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.

 

 

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Tagtäglich arbeite ich mit Holz: Ich untersuche und datiere Hölzer von Pfahlbauten oder historischen Gebäuden und versuche, die daraus gewonnenen Erkenntnisse in unterschiedlicher Form an die Leute weiterzugeben. Das Wissen brauche ich also jeden Tag, und gleichzeitig kommt laufend neues dazu.

Bilder

Für die Dendrochronologische Untersuchung nimmt man Bohrproben aus dem Holz.

Im Chüechlihus nahm man an verschiedenen Orten Holzproben, unter anderem hier im Treppenhaus.

Die Bohrung erfolgt seitlich, damit man von aussen durch alle Jahresringe hindurch nach innen bohrt. Die Löcher wurden mit Fimo verschlossen. Hast du sie gefunden?

Hier im Treppenhaus kannst du 4 Bohrlöcher finden!

U du, weisch no meh?

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