
ES_0152
Herrgottswinkel oder Fenster für die Seele?
Vorname/Name
Jonas Glanzmann
Jahrgang
1975
PLZ/Ort
3438 Lauperswil
Kurzbeschrieb
Herrgottswinkel oder Seelenfenster? Diese Ecke liegt auf der Kirchenseite des Chüechlihus. In alten Bauernhausstuben befand sich hier oft der Herrgottswinkel. Doch auch kleine «Seelenfenster» sind überliefert: Durch sie sollte die Seele eines Verstorbenen das Haus verlassen können. Ob diese Öffnung am Chüechlihus damit zu tun hat?
Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.
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Text
Hier auf der Ostlaube des Chüechlihus kann man sich auf der Bank mit Blick auf den Bären wunderbar ausruhen. Direkt über dir, gleich neben dem Fenster, fällt ein kleiner Teil der Fassade auf, der mit einem Holzladen verschlossen ist. Erkennst du die Holzkeile, die die Läden anbringen? Was könnte sich dahinter verbergen? Und könnte diese besondere Ecke einst eine religiöse Bedeutung gehabt haben?
Ein Herrgottswinkel war eine besonders gestaltete Ecke in der Bauernhausstube. Hier standen etwa ein Kruzifix, Heiligenbilder oder Gebetbücher. Die Familie versammelte sich dort zum gemeinsamen Gebet. Ein Seelenfenster wiederum bezeichnet eine kleine Öffnung im Haus, durch die nach alter Vorstellung die Seele eines verstorbenen Menschen das Haus verlassen konnte. In diesem SRF Beitrag zu den Seelenfenstern im Wallis werden verschiedene Beispiele von Seelenfenstern gezeigt.
Die Ecke im Chüechlihus lädt zu solchen Vermutungen ein, denn auch sie zeigt in Richtung der Langnauer Kirche. Doch die Bauforschung bringt eine klare Antwort. Der Bauforscher und Archäologe Jonas Glanzmann hat die Öffnung untersucht und den alten, verzapften Fensterladen geöffnet. Dahinter kam eine Fensteröffnung zum Vorschein und keine versteckten Bibeln, Talismane oder religiöse Objekte. Ursprünglich befand sich hier also ein Doppelfenster. Jedoch wurde eine Öffnung zu einem unbekannten Zeitpunkt verschlossen, vermutlich beim späteren Innenausbau.
Für einen Herrgottswinkel oder ein Seelenfenster gibt es dagegen keine baulichen Hinweise. Jonas Glanzmann kommt deshalb zu einem klaren Schluss:
«Für die vermutete Existenz eines Herrgottswinkels oder einer anderen zusätzlichen Öffnung ergeben sich keine Hinweise. Der Befund ist diesbezüglich klar negativ.»
Die besondere Atmosphäre dieser Ecke bleibt trotzdem. Vielleicht liegt es an der Bank, vielleicht am Blick auf den Bären oder einfach daran, dass sich hier eine kleine Spur aus der Vergangenheit erhalten hat. Sicher ist nur: Hinter dem Fensterladen steckt kein Seelenfenster, sondern die Geschichte eines ehemaligen Fensters.
Herkunft des Wissens
Aus Gesprächen mit Jonas Glanzmann
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv







