
ES_0140
Hornussen und Emmental
Vorname/Name
Lysser Jürg
Jahrgang
1956
PLZ/Ort
4912 Aarwangen
Kurzbeschrieb
Beginnt die Geschichte des Hornussens im Emmental? Alten Überlieferungen zufolge schon. Was einst als Brauch zum Vertreiben von Geistern begann, entwickelte sich zum Mannschaftssport. Jürg Lysser, früher Redaktor der Hornusserzeitung und bis heute aktiver Hornusser, erzählt, was die Faszination ausmacht: Vorne zählt die Schlagweite, hinten hilft das Team, den Nouss «abzutun». Genau dieser Zusammenhalt macht das Hornussen so besonders.
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Text
Beginnt die Geschichte des Hornusses im Emmental? Nach alten Überlieferungen ist dem so. Es war früher ein heidnischer Brauch, brennende Holzscheite vom Berg ins Tal zu schlagen. Damit sollten Geister vertrieben werden. Mit der Zeit verlagerte sich das Hornussen in die Täler. Entstanden aus einer uralten traditionellen Spielweise, ist Hornussen bis heute ein Spiel geblieben. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen zum Hornussen finden sich in Kirchenbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert zum Beispiel wurde das Hornussen im Chorgericht in Lauperswil (Emmental) gerügt, weil die Hornusser ihrem Spiel während der Kinderlehre fröhnten. Das erste, bekannte Wetthornussen fand 1655 in Trub statt. (Quelle: Hompage ehv.ch). Auch heute ist das Hornussen vorwiegend im Emmental und weiteren Bernbiet und Solothurn zu Hause. Es gibt auch wenige Mannschaften in der weiteren Schweiz. Diese Vereine wurden vorwiegend von ausgewanderten Emmentalern gegründet, so Jürg Lysser.
Im Gespräch mit Jürg Lysser, früher Redaktor der Hornusserzeitung und heute noch aktiver Hornusser wollte ich herausfinden, was die Faszination vom Hornussen ist. Hornussen ist kein Zuschauersport. Die wenigsten Leute sehen den Nouss beim Fliegen über das Feld. Böse Zungen behaupten, dass auch versierte Hornusser dies nicht immer sehen. Die Faszination liegt vor allem im Mannschaftssport. Vorne beim Abschlagen sei man ein Einzelsportler aber das persönliche Resultat mit der Weite des Schlages – Einzelrangliste – wird dann in der Mannschaftsliste aufgenommen und in der Rangierung der Mannschaften festgehalten. Hinten im Feld muss man sich gegenseitig helfen. Die vordersten Hornusser im Feld, dh. bei der Nr. 1 (dazu später), müssen den hinteren Mannschaftsmitgliedern mit den Schilden zeigen wohin der Nouss fliegt mit dem Ziel diesen dann mit dem Schild zu treffen, dh. «abzutun» bevor er auf dem Boden auftrifft. Innerhalb des abgesteckten Feldes – genannt Ries – darf kein Nouss direkt zu Boden gehen, dh. der Nouss muss «abgetan» werden. Ansonsten gibt es eine Nummer pro direkt auf den Boden gefallenen Nouss. Dieses gemeinsame Arbeiten hinten im Feld schweisse ein Team zusammen was dann auch nach getaner Arbeit, dem Hornussen, sich im 2. Teil nach dem Training oder dem Wettkampf auszeichne. Für die Rangliste zählen zuerst die Anzahl Nummern (möglichst Null) und dann erst die geschlagenen Weiten aller Mannschaftsteilnehmer. Bei normalen Mannschaften gebe es keinen Mannschaftstrainer da muss jeder jedem helfen. Insbesondere seien die erfahrenen Hornusser gefragt, den Jungen Wissen weiterzugeben. Jedermann-frau könne das Hornussen erlernen. Da gebe es keine Limiten an gross-klein, dick-dünn, athletisch-weniger sportlich, etc. Heute gibt es auch in fast jeder Mannschaft Frauen die am Sport Hornussen Freude gefunden haben.
Ein wichtiger Teil für Jürg sei auch, dass das Hornussen etwas völlig Anderes zum Beruf sei. In der Mannschaft finde man vom 7-jährigen Junghornusser bis zum 80ig-jährigen Hornusser jede Altersgruppe. Jegliche Berufe und Lebensfelder finde man darin und da gehe es um das Hornussen und um keine anderen Werte. Dies sei so in den unteren Stärkeklassen wo man als «Alter» noch Mithornussen kann aber auch Junge bis sehr Junge mit Wettkampferfahrung ausrüsten kann. In den Eliten 1. und 2. Stärkeklasse oder dann in den Nationalligen sind dann nur die Besten dabei aber auch dort ist der Mannschaftszusammenhalt das wichtigste Element für den Erfolg. Ein Klische sei mit Hornussen immer noch verbunden. «Dick mit grossem Ranzen» und Biertrinker. Dies ist mit dem modernen Hornussen von heute nicht zu vereinbaren. Zwei Mal in der Woche ist Training angesagt und während dem Spiel ist Alkohol tabu. Dies kann der Schreibende bestätigen. Während den Hornusserfesten im August 2026 in Lyssach wurde vor und während den Spielen keine alkoholischen Getränke konsumiert.
Zahlen:
– Nouss: 78 gramm und ist aus Kunststoff
– Ab Bock fliegt er mit rund 300 km/h
mehr: www.hornusserweg.ch
Herkunft des Wissens
vom Vater und dann im Verein
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
sportliche Aktivität in der Mannschaft
wird an Junghornusser weitergegeben










