ES_0209

Metzgete

Vorname/Name
Margrith
Jahrgang
1952
PLZ/Ort
3432 Lützelfüh
Kurzbeschrieb

Im Herbst kam der Störmetzger auf den Hof und metzgete die Schweine. Die ganze Familie half mit, auch wir Kinder, die Borsten zu entfernen und Därme zu putzen. Aus dem Fleisch entstanden Würste, Speck und Hamme, die eingesalzen oder geräuchert wurden. Nach der strengen Arbeit gab es Rösti mit Blut- und Leberwurst sowie Apfel- oder Birnenschnitze. Die Hausmetzgete war mehr als Lebensmittelverarbeitung: Sie war ein gemeinschaftliches Ritual, das Arbeit, Tradition und ein festliches Essen verband.

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Text

Die Metzgete fand zu Hause statt, eine Hausmetzgete. Das wurde früher viel so gemacht, für das Tier war das das Beste. Es war streng aber schön und speziell. Der Störmetzger kam jeweils auf den Hof um die Schweine zu metzgen. Für die Kinder hat er jeweils extra kleine Würstchen gemacht. Nach der Metzgete gab es immer ein Festmahl: Rösti & Blut- und Leberwurst. Blutwurst hatte ich nicht gern. In die Leberwurst hat man Weinbeeren und Chabis (Kohl), und Zwiebeln eingearbeitet. Es musste jeweils alles gegessen werden, auch wenn wir es nicht mochten. Dazu gab es Apfel oder Birnenschnitz. Das Blut wurde in Dickdärme der Schweine eingefüllt. Vorher wurden sie zweimal gekehrt und geputzt. Für die Bratwürste wurden die Därme gekauft. Es gab Schwartenwürste, die wurden mit der Schwarten gemacht. Die Dauerwürste und die Speckseiten und Hamme wurden geräuchert. Im Stöckli gab es noch eine Rauchküche. Die Hamme, die Speckseite und die Gnagis mussten zuerst ins Salzbad (in einer «Holzbütti» /Zuber). Die Kinder mussten mit dem Bunsenbrenner die Borsten wegbrennen. Die Kinder waren auch verantwortlich, dass Gnagis, Sauöhrchen und Schwänzchen sauber geputzt wurden und die Borsten überall entfernt wurden. Der Metzger, der Vater und der grosse Bruder entfernten die Borsten in der «Bütti» mit einem speziellen Werkzeug. Es wurde sauber gearbeitet, die Schweine hat man nach der «Bütti» am «Klöibi» aufgehängt, damit der Metzger stehende arbeiten konnte. Die Leber wurde gekocht für die Leberwürste.
Bei einem Notfall wurden die Kühe in einer «Schaal» vor Ort «gmetzget». Das war günstiges Fleisch und man nannte es Versicherungsfleisch.
Ob es mir noch wie damals schmeckt? Fleisch ist immer noch gut, aber das drum und dran fehlt. Es war wie ein Ritual. Es wurde nicht im Sommer gemetzget, sondern im Herbst gegen Winter. Einer der Störmetzger hatte immer eine «Mutschgetnuss» (Muskatnuss) im Hosensack, damit er keine «Gsüchti» (Rheuma) gekriegt hat. Es konnte jeweils kalt und nass sein, wenn «gmetzget» wurde, die Störmetzger trugen deshalb Holzböcke (Schuhe).

Herkunft des Wissens

Kindheitserinnerungen.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Ich erzähle davon meinen Kindern und Enkeln.

U du, weisch no meh?

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