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Mittelsteinzeit

Vorname/Name
Reto Wüthrich
Jahrgang
1997
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb
In der Mittelsteinzeit lebten die Menschen als Jäger und Sammler und fertigten kleine Werkzeuge aus Stein an. Im oberen Emmental wurden erstmals Funde aus dieser Zeit entdeckt, darunter eine etwa 11’000 Jahre alte Radiolarit-Spitze. Diese Entdeckungen zeigen, dass die Region viel früher besiedelt oder genutzt wurde als bisher angenommen.
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Dieser Beitrag ist einer von 5 Artikeln über unsere Suche im Emmental und die Funde aus den Epochen: Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und römische Zeit

ÜBERBLICK MITTELSTEINZEIT:
Die Mittelsteinzeit, oder auch Mesolithikum genannt, folgte auf die Altsteinzeit (Paläolithikum) und dauerte von 9500 v. Chr. bis 5500 v.Chr. Zu jener Zeit setzte die Wiederbewaldung ein, nachdem in der Altsteinzeit eine offene, tundraähnliche Landschaft vorherrschte. Die Menschen lebten als Jäger und Sammler. Sie waren Nomaden und wohnten temporär in einfachen Hütten, in Höhlen oder unter Felsvorsprüngen. Ihre Werkzeuge stellten sie meistens aus geeigneten Steinen wie Silex (Feuerstein) oder Radiolarit her. Durch gezieltes Abschlagen der Silexknollen entstanden sogenannte Abschläge. Bei idealen Stücken wurden sie durch feine Retuschen in die gewünschte Form gebracht und ihre Kanten geschärft. Retuschen sind sehr feine Bearbeitungen des Steines. Diese wurden mit dem Abschlagen von kleinen Splittern durch andere Steine oder Geweihe erreicht. Typisch für jene Epoche sind die sogenannten Mikrolithe. Dabei handelt es sich um sehr kleine Werkzeuge.

MITTELSTEINZEIT IM OBEREN EMMENTAL:
Bisher lagen keine gesicherten Belege für eine Begehung in jener Zeit vor. Einzig etwa 200 gerollte Silexabschläge aus Signau könnten vielleicht in die Mittelsteinzeit datieren. Diese wurden an einem Bahndamm gefunden. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass die Funde mit dem Baumaterial an den Fundort gelangten. Um dies idealerweise abzuklären, suchten wir das angrenzende Feld ab. Dieses weist eine potenziell geeignete Siedlungsstelle auf. Trotzdem konnten wir leider keine weiteren prähistorischen Spuren finden. So konnten wir die Theorie einer Verlagerung des Fundkomplexes bisher nicht widerlegen.

Auf dem Gelände-Plateau von Rüderswil, suchten wir nicht explizit nach Funden aus der Mittelsteinzeit. Jedoch sorgte ein schöner Fund bei der Fundabgabe für Aufsehen. Wir hatten das bisher älteste archäologische Objekt des oberen Emmentals gefunden!
Dabei handelt es sich um eine Radiolarit-Spitze, welche als Waffe zum Jagen verwendet wurde. Die Spitze des etwa fingernagelgrossen Objektes ist leider abgebrochen. Der Fund datiert wohl in die Übergangszeit zwischen Alt- und Mittelsteinzeit und ist somit gut 11 000 Jahre alt.
In der Gemeinde Lauperswil, genauer bei Längenbach liegt ein weiterer potenzieller Fund aus jener Epoche vor. Dabei handelt es sich um einen Radiolarit-Abschlag.

Dass wir aus dieser Zeit Funde im oberen Emmental entdecken konnten, war für alle Beteiligten sehr erfreulich, aber doch eher überraschend. Dies zeigt sehr eindrücklich auf, dass das obere Emmental um einige Jahrtausende früher begangen wurde als bisher angenommen. Das verdeutlicht uns das Potenzial unserer Region und inspiriert zu weiteren Forschungen.

ÜBER UNS
Wir sind Anja Huber und Reto Wüthrich und sind beide geschichtlich interessiert. Als ehrenamtliche Mitarbeiter sind wir für die Kantonsarchäologie tätig. Wir haben die Theorie, dass die Region des oberen Emmentals schon vor dem Mittelalter besiedelt war. Um das zu beweisen, suchen wir Objekte aus früheren Epochen. Dabei arbeiten wir zum Teil mit dem Metalldetektor, um Funde im Boden zu lokalisieren. Objekte aus anderen Materialien wie Glas, Keramik oder Steinwerkzeuge müssen ohne technische Hilfsmittel gesucht werden. Dazu suchen wir die Oberfläche auf Äckern optisch ab. In den letzten 7 Jahren konnten wir einige Funde machen, um diese Theorie zu festigen. Trotzdem verbringen wir oft unzählige Stunden draussen, ohne irgendetwas Relevantes zu finden. Manchmal hat man aber den richtigen Riecher und etwas Glück und kann so einen schönen Fund bergen. Wir verfolgen unabhängig unsere eigenen Ideen, arbeiten aber auch immer wieder zusammen an Projekten.

Herkunft des Wissens

Unsere Nachforschungen betreiben wir vor Ort im Gelände. Es braucht aber auch einige vorausgehende Abklärungen. So informieren wir uns in historischen Büchern, auf Karten, Satellitenbildern und Terrainmodellen, um geeignete Flächen zu finden. Für die Altfunde dient uns das Buch «Emmental – Eine Landschaft erzählt Geschichte» von Jonas Glanzmann als Quelle.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Wir sind im Austausch mit der Kantonsarchäologie. Manchmal werden bedeutende Funde veröffentlicht, die Allgemeinheit jedoch erfährt meistens nichts davon. Wir möchten die Geschichte des Emmentals der Bevölkerung zugänglicher machen, denn wir glauben, dass man durch sie etwas lernen kann.

Bilder

Fragmentierte Radiolarit-Spitze vom Gelände-Plateau Rüderswil. (Fund: R. Wüthrich)

Radiolarit-Abschlag aus der Region Längenbach, Lauperswil (Fund: A.Huber)

U du, weisch no meh?

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