ES_0207
Pferd und Käserei
Vorname/Name
Margrith
Jahrgang
1952
PLZ/Ort
3432 Lützelfüh
Kurzbeschrieb
In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren brachte ich als Kind ab der dritten Klasse jeden Morgen die Milch mit dem Pferd von der Schleifschür in die Käserei nach Schwanden. Darauf war ich stolz. Zuerst zog mich das liebe Pferd Züsi, später der wilde Bruno. Schwanden war damals ein lebendiges Dorf mit Post, Läden, Mühle, Hufschmied und Beizen. Obwohl wir nicht im Überfluss lebten, erinnere ich mich gerne an diese Zeit. Bei uns war immer etwas los, und meine Mutter hatte trotz neun Kindern ein offenes Haus für die Leute aus dem Dorf.
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Text
Als Kind mit der Milch und dem Pferd in die Käserei: Meine Erinnerungen an das Bauernleben in den 50-iger und frühen 60-iger Jahren in Schwanden. Vor der Schule bin ich jeweils mit dem Pferd in die Käserei, die Milch abladen. Ich war ab der 3. Klasse mit dem Pferd unterwegs, meine Eltern haben mich geschickt. Die Schwester wollte nicht, es war kein Zwang, es gingen vor allem mein Bruder oder ich. Ich bin immer um sechs Uhr aufgestanden und ging gerne. Ich war in der Käserei jeweils das einzige Kind, dass das «durfte», darauf war ich stolz. Einer der Bauern kam immer mit dem Berner Sennenhund. Mein Weg mit der Milch war von der Schleifschür ins Dorf Schwanden. Bei der Käserei hatte es eine Vorrichtung um das Pferd am Trensen mit einem Karabiner an einem Metallrohr anzubinden. In den ersten Jahren hatten wir Züsi, ein liebes Pferd. Nachher kam der wilde Bruno – der war «läbig». Er kannte den Weg nach Hause und war ziemlich schnell und manchmal wild, aber da war ich schon älter. Es kam vor, dass ich in der Mühle mit Züsi noch Kraftfutter holen musste. Der Müller war zugleich Kassier von der Käsereigenossenschaft, wo das Milchgeld ausbezahlt wurde. Man liess das Futter, das man holte, aufschreiben und hat es mit dem Milchgeld verrechnet. Die Bauern waren Käsereigenossenschafter und haben in dieser Käserei den Käse abgeliefert. Damals war der Käser noch von der Käsereigenossenschaft angestellt, deshalb gab es nicht immer guten Käse. In der näheren Umgebung gab es 3 Käsereien. Man hatte als Genossenschafter die Pflicht, dass ein gewisser Anteil Emmentaler Käse zurückgekauft werden musste, wenn der Käse nicht gut war. Der gute Käse wurde natürlich verkauft. In der Käserei gab es jeweils auch Schmelzblockkäse – der wurde manchmal von uns auch gekauft (2. Klasse Käse), den haben wir sehr gemocht. Meine Kindheit und Jugend war sehr schön auch wenn wir nicht im Überfluss lebten. Jemand hat mich gefragt, warum wir nicht mit dem Velo gingen. Das war nicht möglich, es war zu «stotzig» (steil). Ausserdem hatten wir gar kein Velo. Manchmal konnte man vom Hufschmied eines mieten wenn man Lützelflüh wollte.
Schwanden war damals noch ein richtiges Dorf: Es hatte eine Post, ein Hufschmied, zwei Beizen, drei Läden, ein Coiffeur, eine Mühle, eine Drescherei, zwei bediente Tankstelle für Motormäher (Traktoren gab es auf unserem Hof erst später) beide mit Lädeli. Bei einem der Lädeli war es die Frau, die das Lädeli und die Tankstelle geführt hat. Bei der anderen Tankstelle war Schneider, Coiffeur und ein Lädeli unter einem Dach. Im Lädeli hast du vom Büstenhalter über Kaffee, Drähte für Korsett, Rucksackschnüre, Schuhbändel über Villars Schokolade alles erhalten. Man nannte das Lädeli «Schwange LOEB». Hier konnte auch die «Konfmontur» angepasst werden. Der Ladenbesitzer sass dann jeweils auf dem Tisch im Schneidersitz und hat genäht, wen etwas genäht werden musste. Es konnte auch offenes Salz gekauft werden. Es hatte ausserdem zwei Sägerein ausserhalb des Dorfes. Der Wirt hat auch Brot gebacken, die Bäckerei war in der Beiz integriert.
Die Dörfler sind auch am Sonntag zu uns hoch gekommen. Die Mutter hatte immer ein offenes Haus, trotz eigener grosser Kinderschar. Wir hatten einen Schwingkeller eingerichtet, es wurde mit selber genähten Hosen aus Jutesäcke geschwungen. Die Mutter hat sie genäht, sowieso hat sie viel genäht. Zum Beispiel hat sie mir aus Kleesamensäcken, die waren aus Baumwollstoff, einen Jupe hergestellt. Der Sack war weiss, mit schönen Blumensujets. Den Kleesamen haben sie angesät als Futter für die Kühe, der Samen wurde in diesen Säcken aufbewahrt.
Herkunft des Wissens
Das sind meine Kindheitserinnerungen.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Ich erzähle meinen Kinder und Enkel davon, wenn sie danach fragen.


