
ES_0205
Rüsten und einmachen
Vorname/Name
Margrith
Jahrgang
1952
PLZ/Ort
3432 Lützelfüh
Kurzbeschrieb
In unserer Familie mit neun Kindern halfen alle beim Rüsten und Einmachen von Gemüse und Früchten. Dabei wurde viel gesungen, manchmal sogar dreistimmig. Aus Früchten entstanden Konfitüren und Gelée, Bohnen wurden gedörrt und Kabis im Naturkeller gelagert. Die Kinder sammelten Beeren und Kräuter, der Grossvater Pilze und Bachforellen im Goldbach. So füllten sich die Wintervorräte. Am Montag lief das Wunschkonzert, und Mutter und Vater tanzten beim «Misträppeler».
Schlagworte
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Text
Gemeinsam Gemüse und Früchte einmachen in den 50 Jahren: Die ganze Familie half Bohnen, Apfelschnitze und generell Gemüse und Früchte rüsten. Währenddessen gerüstet wurde, wurde viel gesungen. Ich hatte grosse Brüder, es wurden Lumpenlieder gesungen (zb. Dr Seppu vo Schaffhuse…), zum Teil sogar dreistimmig. Zu Spitzenzeiten waren 13 Personen am Tisch: Neun Kinder, die Eltern und die Grosseltern. Am Montag kam jeweils Wunschkonzert. Beim Misträppeller haben Mutter und Vater getanzt, das war speziell.
Die Früchten wurde zu Konfitüre verarbeitet oder sie wurden eingemacht. Auch die unreifen Äpfeln wurden verarbeitet, daraus gab es Gelée. Ausserdem wurden Beeren und Kirschen eingemacht. Die Himbeeren und Brombeeren wurden im Wald gesammelt, es gab schöne und süsse am Waldsaum entlang. Allerdings mussten wir rechtzeitig sein, sonst waren sie schon gelesen, das Mühlischätzeli kam uns manchmal zuvor. Es war jeweils ein Wettrennen um die Beeren. Vom roten und schwarzen Holunder hat man Gelée gemacht. Die Beeren wurden nicht gegessen, nur ausgekocht. Uns Kindern wurde gesagt, dass sie giftig seien.
Es gab noch kein Kühlfach. In der Landi gab es später grosse begehbare Gefrierfächer.
Die Bohnen wurden gedörrt. Nach dem Brotbacken wurde die Restwärme fürs Bohnen dörren gebraucht.
In Essig wurde nichts eingelegt. Der Kabis wurde samt den Storzen in den Naturkeller eingegraben oder er wurde «ds ungerobsi» aufgehängt. Fenchel gab es nicht, dafür Röseliköhli, Kohlarten und Rüebli. Tomaten hatten wir keine, die wurden erst später angebaut im Emmental. Wenn es einmal vorkam, dass Tomaten gekauft wurden, sagte der Grossvater das sei giftiges Zeug.
Fisch gab es oft. Die Bachforellen wurden gefischt im Goldbach, das Bachrecht gehörte dem Grossvater. Es hatte damals viel mehr Fische als heute. In der Tanne hatte es eine Metzgerei, die hat das Blut in den Bach gelassen, das war Fischfutter. Der Bach hat manchmal geschäumt.
Die Kartoffeln wurden schon am Samstag gerüstet, damit die Muetter «chli meh Sundi gha het».
Der Bruder hatte «Chüngle» (Kanninche). Er hat ihnen Eicheln gefüttert und ging sie vorher im Wald sammeln. Das war die Arbeit der Kinder.
Der Grossvater hat Pilze gesammelt (Morcheln, Steinpilze, Eierschwämme, Ziegenbärte und «Sauohren»). Wir Kinder gingen manchmal mit. Nicht alle Familien haben Pilze gesammelt, von den Schulkollegen und Schulkolleginnen hat niemand Pilze gegessen.
Auch der Lindenblust wurde verwertet und die Münze zu Tee. Es wurde auch Honig gewonnen.
Herkunft des Wissens
Das sind meine Kindheitserinnerungen. Ich bin in Schwanden auf einem Bauernhof aufgewachsen.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Die Lieder habe ich meinen Kinder und Enkelkinder beigebracht. Stangenbohnen und Apfelschnitze dörre ich manchmal immer noch. Ich erzähle meinen Kinder hin und wieder von früher.





