
ES_0018
«Chachelihöu»
Vorname/Name
Anina Schärer
Jahrgang
1992
PLZ/Ort
3550 Langnau i. E.
Kurzbeschrieb
Die «Chachelihöu» bezeichnete früher eine Abfalldeponie. Auf solchen «Ghüdergruebe» landeten kaputte Tassen, zerbrochenes Geschirr oder Leergut, – meist direkt hinter dem eigenen Haus.
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Text
Ein «Chacheli» ist ein keramisches (Trink-)Gefäss, «Höu» ist berndeutsch für Hölle. Die «Chachelihöu» ist der Ort, wo Tassen und andere kaputte Dinge sowie Leergut hinkamen, wenn sie vollends kaputt waren und ihre Lebenszeit vorüber war. Es handelte sich um Abfalldeponien, «Ghüdergruebe», in der Zeit vor den Kehrichtverbrennungsanlagen und Leergutsammelstellen. Die Deponien konnten sich beispielsweise etwas ausserhalb des Dorfes befinden oder auch direkt hinter dem eigenen Haus. Hier in Langnau gab es eine grössere Chachelihöue gegen Bärau zu.
Das scheint nun abstrus, doch damals hatte man natürlich deutlich weniger Abfall. Glas oder Keramik reinigte man und verwendete es wieder, selbst zerbrochenes Geschirr wurde geflickt. Erst wenn etwas ganz hinüber war, kam es auf diese «Höu».
Mit dem Aufkommen von Recyclinghöfen etablierte sich das Wort für die Bezeichnung des Abfalltrogs zuhause.
Interessant ist die stark wertende, moralische Dimension des Wortteils «Höu»: Ein unangenehmer Ort, an dem sich Schlechtes und Böses nach dem irdischen Leben zusammenfindet, um ewig dort zu verweilen.
Herkunft des Wissens
Den Ausdruck «Chachelihöu» kenne ich von den älteren Mitgliedern des Museumsteams, ich habe ihn während eines Markttages aufgeschnappt. Später erfuhr ich im Gespräch, dass auch in meiner Familie das Wort bekannt ist: Mein Onkel kennt es von seinen Ferien als Kind bei seiner Grossmutter, meiner Urgrossmutter.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Den Ausdruck verwende ich kaum aktiv, da es heutzutage neue Abfallentsorgungs- und Recycling-Systeme gibt, die die Chachelihöue in ihrer Funktion ersetzt haben. Mit dem Phänomen verschwindet auch das Wort, das dieses bezeichnet.






