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Weihnachtsringli

Vorname/Name
Karl Johannes Rechsteiner
Jahrgang
1958
PLZ/Ort
3534 Signau
Kurzbeschrieb
Weihnachtsringli gehören im Oberen Emmental zur Adventszeit. Das feine Gebäck wird aus Hefeteig hergestellt, zu Bretzeln geschlungen und nur während der Winterzeit gebacken. Die Tradition reicht weit zurück und wurde früher auch als Weihnachtsgeschenk für Kinder gepflegt. Heute wird die Spezialität nur noch von wenigen Bäckereien angeboten.
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Nun lebe ich seit Jahrzehnten im Oberen Emmental und habe doch diese alte Tradition erst 2025 kennengelernt und zum ersten Mal gegessen! Beim Recherchieren fand ich allerlei Interessantes heraus. Die Weihnachtsringe werden nur im Advent gebacken. Ihr Teig ist unverwechselbar ineinander verschlungen. Sie heissen zwar Ringli, werden aber als Bretzeln gebacken. Ihre Form werde seit dem 12. Jahrhundert als Wappen für die Zunft der Bäcker verwendet, oft sichtbar bei einem Bäckerladen. Spezialitäten aus Weissmehl waren früher ein Luxusprodukt wie etwa die Ankezüpfe. Ringli gab es offenbar seit den Römern zu besonderen kirchlichen Festen. Bis heute überlebt haben sie in der Schweiz etwa als Zunftbretzeln der Basler Fasnacht oder bei uns im Oberen Emmental eben als Weihnachtsringli.
„Ringli gab es, seit ich denken kann“, erzählte mir Frieda Thomi. Die 87-jährige Mutter des Signauer Bäckers Michael Thomi erinnert sich noch gut daran, dass sie in der Kindheit bei der Sonntagsschule im Dieboldswil ein Ringli als Weihnachtsgeschenk erhalten hat. Sie liebt das feine Gebäck bis heute. Seit den 1960er-Jahren arbeitet sie bis heute mit in der familiären Bäckerei früher in Langnau oder Steine, heute in Signau. An Märitstanden und im Laden verkaufte sie in der Vorweihnachtszeit immer viele Ringli. Mancherorts haben Bäckersleute die Spezialität sogar von Haus zu Haus vertragen. Oder es kam eine Wegglifrau vorbei mit einem Korb voll der duftenden Gebäcke – das beschreibt ein anderer Beitrag im e-spycher. Bei Schriftsteller Jeremias Gotthelf fand ich diesen Hinweis: «Es kamen Gvatterleute, mehrere hintereinander, und brachten das Gutjahr den Kindern und Weihnachtsringe.“ Anderswo beschrieb er eine festliche Schmauserei: «Bäbeli sorgte nach seinen Kräften für ein fröhliches Mahl. Zu den Weihnachtsringen hatte es ganze Milch holen lassen.» Und jemand erzählte mir auch, dass in Richigen vor vielen Jahren eine Dame einen Fonds gespendet habe, mit dem für die Schulkinder jedes Jahr Ringli zum Jahresende finanziert wurden.
Wann genau werden die Weihnachtsringli gebacken? Bäcker Michael Thomi aus Signau schmunzelt: „Wenn ich den Schnee riechen kann, beginnt die Saison für die Ringli.“ Das genaue Rezept verrät er nicht. Wenn die Winterkälte beginnt, wird das Weissmehl mit viel Butter, Milch, Eiern und etwas Zucker zu einem Hefeteig verarbeitet, kühl gestellt, ausgerollt, mit Eigelb bestrichen, zu Bretzeln geschlungen, kurz gebacken und möglichst frisch und nature verspiesen. Meist sind die Ringli nur bis Silvester erhältlich und werden dann zum Dreikönigstag vom nächsten bäckerischen Leckerbissen abgelöst. Ich freue mich schon auf den nächsten Advent!

Herkunft des Wissens

In verschiedenen Bäckereien im Oberen Emmental plötzlich im Advent entdeckt

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Im Advent kommen die Weihnachtsringli auf den Zmorgetisch, mit etwas Anke reicht eigentlich schon

Bilder

Auslage in der Bäckerei Thomi Signau

Frieda Thomi mit Weihnachtsringli vom Beck Thomi

U du, weisch no meh?

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