ES_0216

Weben ist wie Klavierspielen

Vorname/Name
Jonas Glanzmann
Jahrgang
1975
PLZ/Ort
3604 Thun
Kurzbeschrieb

1936 baute Johannes Lehmanns Grossvater in Eggiwil eine Handweberei auf. Er bot Bauernfamilien während der Wintermonate zusätzliche Arbeit. Im Kapfhüsi standen sieben Webstühle, weitere Frauen webten zu Hause Handtücher und Küchentücher. Die Stoffe aus Baumwolle und Leinen fanden sogar Abnehmer in Holland und Belgien. Ab den 1960er-Jahren ging die Nachfrage zurück. 1976 wurde die Produktion eingestellt. Heute hält Johannes Lehmann mit den alten Webstühlen die Erinnerung an das traditionelle Handwerk lebendig. Bereits mit neun Jahren lernte er selbst das Weben.

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Johannes Lehmann über die Geschichte der Handweberei im Kapfhüsi in Eggiwil

Zwischen den alten Webstühlen aus Eggiwiler Tannenholz lässt Johannes Lehmann ein traditionelles Handwerk lebendig werden. «Weben ist wie Klavierspielen», sagt er. Bereits mit neun Jahren lernte er das Weben kennen. Heute ist es für ihn vor allem ein Hobby.

Die Geschichte der Handweberei begann 1936, als sein Grossvater, der zuvor in der Baumwollweberei Elsaesser AG in Kirchberg tätig gewesen war, in Eggiwil eine neue Existenz aufbaute. Er erkannte, dass die Bauernfamilien während der Wintermonate Zeit für zusätzliche Arbeit hatten. Ab 1937 entstand so ein Heimarbeitsbetrieb, der rasch erfolgreich wurde. Zeitweise reichten die Aufträge bis zu drei Jahre im Voraus.

Im Kapfhüsi standen sieben Webstühle, an denen sechs Mitarbeitende beschäftigt waren. Weitere Frauen webten zu Hause Handtücher und Küchentücher. Die Weberei lieferte vorbereitete Kettfäden und Webspulen und bezahlte die fertigen Stoffe nach Metern. Hergestellt wurden vorwiegend Baumwoll- und Leinenstoffe für Schürzen, Tischtücher und Vorhänge.

Der Verkauf erfolgte auf Bestellung. Vertreter brachten Musterbücher direkt zu den Kunden. Der Grossvater war dafür sogar mit einem Maultier unterwegs. Die fertigen Stoffe wurden alle zwei Tage in 40 bis 60 Päckchen zur Post nach Eggiwil gebracht. Neben Schweizer Kunden belieferten die breiteren Stoffe auch Abnehmer in Holland und Belgien.

Ab den 1960er-Jahren ging die Nachfrage stark zurück. Die zunehmende Verwendung synthetischer Fasern veränderte den Textilmarkt. Da im Kapfhüsi weiterhin ausschliesslich Baumwolle und Leinen verarbeitet wurden, kam die Produktion allmählich zum Erliegen. Bis 1976 wurde noch gewoben. Danach führte die Grossmutter den Betrieb weiter, bis die traditionelle Produktion schliesslich verschwand.

Heute bewahrt Johannes Lehmann die Erinnerung an dieses Handwerk. Die alten Webstühle zeugen von einer Zeit, in der Heimarbeit und Landwirtschaft eng verbunden waren. Für Lehmann ist es wichtig, dass das Wissen um diese traditionelle Technik nicht verloren geht. Denn in der Einfachheit der Maschinen und im Zusammenspiel von Hand und Faden steckt ein wertvolles Stück Emmentaler Kulturgeschichte.

 

Herkunft des Wissens

Johannes Lehmann über die Geschichte der Handweberei im Kapfhüsi in Eggiwil, Interview vom 12. Oktober 2026

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Heute ist die Handweberei nicht mehr der grosse Betrieb von einst. Doch die alten Webstühle sind geblieben. Wenn Johannes Lehmann an ihnen arbeitet, lebt ein Stück regionaler Wirtschafts- und Alltagsgeschichte weiter, Faden für Faden, Reihe für Reihe.

Bilder

Johann Lehmann am Weben

Handweberei Spulgatter

Spulmaschine Getriebe 1880 mechanischer Automat

Video

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