
ES_0109
Jungsteinzeit
Vorname/Name
Anja Huber
Jahrgang
1991
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb
In der Jungsteinzeit wurden die Menschen sesshaft und betrieben Ackerbau sowie Viehzucht. Im oberen Emmental wurden zahlreiche Steinwerkzeuge und Silexfunde entdeckt, die zeigen, dass die Region bereits damals intensiv genutzt wurde. Einige Funde stammen sogar aus Feuerstein, der aus dem Raum Olten gehandelt wurde.
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Das obere Emmental im Neolithikum (Jungsteinzeit) (5500 v. Chr – 2200 v. Chr)
Dieser Beitrag ist einer von 5 Artikeln über unsere Suche im Emmental und die Funde aus den Epochen: Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und römische Zeit
ÜBERBLICK JUNGSTEINZEIT:
Die Jungsteinzeit läutet den Übergang vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit ein. Zu dieser Zeit entstehen erste Siedlungen und aus Jägern und Sammlern werden Bauern, die Viehwirtschaft und Ackerbau betreiben. Metalle als Werkstoffe wurden noch nicht genutzt. Es werden ähnlich wie in der Mittelsteinzeit Werkzeuge aus Stein hergestellt, diese sind jedoch grossformatiger und feiner ausgearbeitet als in der Mittelsteinzeit. Als Material herausstreichen kann man Silex, auch genannt Feuerstein oder Flintstein. Dieses Material wurde im Neolithikum wegen seiner speziellen Eigenschaften bei der Bearbeitung sehr geschätzt und im grossen Stil abgebaut und gehandelt. Bekannte Abbaugebiete in der Schweiz befinden sich in Lägern (ZH), Lampenberg (BL) und Olten (SO)
JUNGSTEINZEIT IM OBEREN EMMENTAL:
Zwei Funde aus dem Neolithikum waren aus Langnau bisher bekannt. Im Moos wurde ein Beil gefunden und im Oberfrittenbach eine Axt. Dabei handelt es sich um zufällig gemachte Einzelfunde, die lediglich ein kleiner Hinweis auf menschliche Aktivität in der Jungsteinzeit sind.
Doch unser Glaube an jungsteinzeitliche Aktivität in der Region ist da und wird mit jedem weiteren Fund bestärkt. Tatsächlich konnten wir aus dieser Zeit die meisten Artefakte finden. In den Gemeinden Lützelflüh, Rüderswil, Lauperswil, Langnau und Signau konnten wir mehrere Fundstellen mit neolithischen Silexfunden entdecken. Bei den meisten Objekten handelt es sich um sogenannte Abschläge. Das sind die Reste, die nach der Bearbeitung einer Steinknolle ungenutzt zurückblieben. Diese Stücke machen den grössten Teil der Silexfunde aus, denn davon gab es viel mehr als von eigentlichen Werkzeugen und Geräten, die aus dem Rohstoff herausgearbeitet wurden. Ausserdem hat man zu den wertvollen Geräten gut Sorge getragen und so gingen sie nicht so häufig verloren. Unter den Fundstücken befanden sich jedoch auch interessantere Stücke wie Silex-Restkerne, zwei Kratzer, ein Bohrer und eine retuschierte Klinge. Von Kernen hat man mit gezielter Schlagtechnik versucht Klingen abzutrennen, um diese dann weiter zu verarbeiten. Kratzer und Klingen benutzte man zur Bearbeitung von Holz, Knochen, Geweih, Fell/ Leder und vielen weiteren Materialien.
In Anbetracht der Menge der Fundstellen und der Funddichte insgesamt kann man sagen, dass das Emmental mindestens saisonal genutzt wurde. Eindeutige Belege über Siedlungsplätze fehlen noch, doch unsere Neufunde geben Hinweise darauf, dass es deutlich mehr prähistorische Aktivität in der Region gab als bisher angenommen.
Interessant ist, dass das Material von einigen neugefundenen Abschlägen eindeutig aus dem Abbaugebiet in Olten stammt.
ÜBER UNS UND UNSERE ARBEIT:
Wir sind Anja Huber und Reto Wüthrich und sind beide geschichtlich interessiert. Als ehrenamtliche Mitarbeiter sind wir für die Kantonsarchäologie tätig. Wir haben die Theorie, dass die Region des oberen Emmentals schon vor dem Mittelalter besiedelt war. Um das zu beweisen, suchen wir Objekte aus früheren Epochen. Dabei arbeiten wir zum Teil mit dem Metalldetektor, um Funde im Boden zu lokalisieren. Objekte aus anderen Materialien wie Glas, Keramik oder Steinwerkzeuge, müssen ohne technische Hilfsmittel gesucht werden. Dazu suchen wir die Oberfläche auf Äckern optisch ab. In den letzten 7 Jahren konnten wir einige Funde machen, um diese Theorie zu festigen. Trotzdem verbringen wir oft unzählige Stunden draussen, ohne irgendetwas Relevantes zu finden. Manchmal hat man aber den richtigen Riecher und etwas Glück und kann so einen schönen Fund bergen. Wir verfolgen unabhängig unsere eigenen Ideen, arbeiten aber auch immer wieder zusammen an Projekten.
Herkunft des Wissens
Unsere Nachforschungen betreiben wir vor Ort im Gelände. Es braucht aber auch vorausgehende Abklärungen. So informieren wir uns in historischen Büchern, auf Karten, Satellitenbildern und Terrainmodellen, um gute Flächen zu finden. Für die Altfunde dient uns das Buch «Emmental – Eine Landschaft erzählt Geschichte» von Jonas Glanzmann als Quelle. Bei fachlichen Fragen unterstütze uns Michel Franz.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
Wir sind im Austausch mit der Kantonsarchäologie. Manchmal werden bedeutende Funde veröffentlicht, die Allgemeinheit jedoch erfährt meistens nichts davon. Wir möchten die Geschichte des Emmentals der Bevölkerung zugänglicher machen, denn wir glauben, dass man durch sie, etwas lernen kann.










