Der «Schmutzhafe» war früher ein wichtiger Vorratsbehälter im Haushalt. In diesem Steinguthafen, der mit Wachspapier oder einem Wachstuch abgedeckt wurde, bewahrte man ausgelassenes Fett auf, das in der Küche täglich gebraucht wurde.
Als Kind, in der Zeit, als wir noch in Grosshöchstetten lebten, wurde jeweils Anfang Dezember hinter dem Bauernhaus ein Schwein geschlachtet. Für uns Kinder war das immer ein Erlebnis, bedeutete aber auch Mithilfe bei der Verarbeitung. Die Fettschwarte des Schweins wurde zuerst in grobe Streifen geschnitten. Diese mussten wir dann durch den Fleischwolf kurbeln. Ein Teil davon wurde für verschiedene Würste gebraucht, den Rest füllte man in die grösste Pfanne, einen Hafen von etwa fünfzehn Litern.
Diese Pfanne voller Fettschwarte stand danach über Stunden – meist während ohnehin gekocht wurde – auf dem Holzherd, damit das Fett langsam flüssig wurde. Wichtig war, dass das Fett nicht kochte. Nach und nach löste sich das Fett aus den Schwarten. Wenn es ganz flüssig war, schwammen oben kleine feste Fleisch- und Knorpelstücke. Das sind die sogenannten Grieben oder «Gröibi». Die gab man gerne zur Rösti oder verfütterte sie den Katzen.
Das flüssige Schweinefett wurde anschliessend in die «Schmutzhäfe» abgefüllt, mit gewachstem Papier gut verschlossen und im Keller gelagert. Dort dickte das Fett wieder ein und blieb lange haltbar. Das Fettauslassen dauerte mehrere Tage, und der Duft des Schweinefetts verbreitete sich im ganzen Haus – was nicht immer sehr angenehm war. Gekocht wurde damals fast ausschliesslich mit Schweinefett.
Der «Schmutzhafe» diente aber nicht nur für Schweinefett, sondern auch für ausgelassene Butter. Im Bauernhaus wurde die Milch in grosse Schüsseln – sogenannte «Chachle» oder «Gebsen» – abgefüllt und im kühlen Keller aufbewahrt. Bevor die Milch weiterverarbeitet wurde, schöpfte man mit einem grossen Löffel den Rahmdeckel ab. Wenn genug Rahm zusammengekommen war, machte man daraus Butter. Hatte man zu viel davon – und Butter wurde schnell ranzig – ging man ähnlich vor wie beim Schweinefett: Man liess die Butter aus, füllte sie in kleine «Schmutzhäfeli» und lagerte sie ebenfalls im Keller. Die eingedickte Butter liess sich gut aufbewahren und wurde später zum Kochen und Backen verwendet, etwa für Apfelküchlein, Schlüferli, Tirggeli oder Schenkeli.
Viele Lebensmittel wurden haltbar gemacht, weil wir lange keinen Kühlschrank hatten. Ein Gefrierfach hatten wir zwar, aber nicht im Haus – wir hatten eines bei der Gemeinde gemietet. Meine Grossmutter hatte Gemüse noch sterilisiert, später froren wir vieles ein. Zudem gab es von den Landfrauen eine Dörranlage, wo man Gemüse und Früchte trocknen konnte. Dorthin brachten wir zum Beispiel Bohnen, Äpfel und Birnen zum Dörren. Auf diese Weise wurde vieles haltbar gemacht, damit über den Winter genügend Vorräte vorhanden waren.