Ich bin im Längengrund, Gemeinde Trub, aufgewachsen. Meine Mutter betrieb einen «Tante-Emma-Laden» und mein Vater arbeitete in einem Sägereibetrieb. Nebenher war er Hobby-Imker. Die Honigschleuder erbte er von meinem Grossvater, der viele Jahre Honig machte und sein Wissen weitergab.
Schon als Kind begleitete ich meinen Grossvater zu den «Beii» auf die Bäregghöhe. Das Bienenhaus stand am Waldrand – ein idealer Standort für kräftigen, schmackhaften Waldhonig. Wir schauten, ob alles in Ordnung war, und gingen dann wieder heim.
Im Spätsommer wurde der Honig geerntet. Dazu entnahmen wir die Waben aus dem Bienenstock. Die oberste Wachsschicht wurde mit einer Gabel, die immer wieder in heisses Wasser getaucht wurde, sorgfältig abgehoben – dem sagen wir hier «abdechele». Danach stellte man drei bis vier Waben in die Honigschleuder und drehte an der Kurbel, bis der Honig aus den Zellen geschleudert war. Durch ein Rohr floss er in ein Klärsieb, das die Wachsreste zurückhielt, und von dort weiter in einen Kessel. Die Wachsstücke im Sieb kauten wir Kinder wie Kaugummi.
Nach dem Schleudern mussten die Völker mit Zuckerwasser gefüttert werden, weil man ihnen den Nahrungsvorrat entnommen hatte. Nach der letzten Honigernte behandelte man sie zudem gegen die Varroa-Milbe, die sonst ein ganzes Volk vernichten kann.
Im Frühjahr schwärmen die Bienen. Die alte Königin zieht mit ihrem Hofstaat aus und sammelt sich wie eine Traube an einem Ast. Fängt man den Schwarm ein und stellt ihn zur Beruhigung in einer Kiste in den Keller, entsteht daraus ein neues Bienenvolk.
Die Natur im Emmental mit Wiesen und Wäldern bietet beste Voraussetzungen für die Bienenhaltung. Deshalb betreiben hier viele die Imkerei als Hobby. Wer mehrere Völker besitzt, verkauft auch Honig. Er gilt als gesund und entzündungshemmend – ein Tee mit Honig bei Erkältung wirkt wohltuend.