ES_0149

Gegenüber der Kramlaube

Vorname/Name
Livia
Jahrgang
1990
PLZ/Ort
3014 Bern
Kurzbeschrieb

Die Kramlaube prägte fast 400 Jahre lang den Langnauer Bärenplatz. Unter ihrem grossen Dach wurden Waren gehandelt, Neuigkeiten ausgetauscht und Geschäfte abgeschlossen. Das Modell lässt einen Blick auf diesen historischen Mittelpunkt des Dorflebens zu.

Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.

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Text

Vor 500 Jahren standen sich hier zwei aussergewöhnliche Gebäude gegenüber. Die Kramlaube wurde bereits 1519 erbaut und war damit sogar ein paar Jahre älter als das Chüechlihus. Fast 400 Jahre lang prägte sie das alte Zentrum von Langnau, bis sie 1900 abgebrochen wurde.

Unter ihrem grossen Dach bot die Kramlaube Händlern Schutz vor Sonne und Regen. Hier wurden Stoffe, Gewürze, Werkzeuge und viele andere Waren angeboten. Der Markt war weit mehr als ein Ort zum Einkaufen. Hier tauschte man Neuigkeiten aus, schloss Geschäfte und traf Menschen aus dem ganzen Emmental und darüber hinaus. Denn Langnau hatte im 16. Jahrhundert als einzige Ortschaft das Marktrecht zwischen den Städten Bern und Luzern. Deshalb entwickelte sich das Dorf schon früh zu einem wichtigen Handelszentrum.

Obwohl es keine schriftlichen Belege gibt, spricht vieles dafür, dass auch das Chüechlihus eng mit diesem Markt verbunden war. Seine Lage direkt gegenüber der Kramlaube ist kaum Zufall. Historiker:innen vermuten, dass in den unteren Geschossen Waren gelagert oder gehandelt wurden, während sich in den oberen Stockwerken Wohnräume befanden. Auch das würde gut zur ungewöhnlichen Bauweise und zum repräsentativen Erscheinungsbild des Hauses passen. Anders als die Kramlaube war das Erdgeschoss beim Chüechlihus jedoch keine offene Halle, sondern schon immer in verschiedene Bereiche geteilt. Mehr dazu hast du bei der Spur 3 Tierstall, Salzlager, Warenlager… bereits gehört.

Das Modell der Kramlaube, das wir hier zeigen, wurde von Walter Hertig gefertigt, einem lokalen Holzmodellbauer. Dass wir heute überhaupt so viel über die Bauweise der Kramlaube wissen, ist ein reiner Glücksfall. Gut Zehn Jahre vor dem Abbruch, im Jahr 1890, vermass Ernst Gladbach, Professor für Architektur an der ETH Zürich, die Kramlaube und stellte damit genaue Pläne her. Dank ihm sind Holzmodelle, wie dasjenige von Walter Hertig bei uns im Chüechlihus überhaupt möglich.

Herkunft des Wissens

Aus Gesprächen mit Alexander Kobe, Madeleine Ryser und aus dem Buch die Bauernhäuser des Kanton Berns von Heinrich Christoph Affolter.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Als Mitarbeiterin im Chüechlihus muss ich mich immer wieder mit der Geschichte des Hauses, seinen Objekten und seiner Geschichte auseinandersetzen. Dabei lernt man immer wieder etwas neues. Madeleine Ryser war es, die sich an den Hersteller des Modells der Kramlaube erinnern konnte, denn in unserer Sammlung Inventur war dieser nicht vermerkt.

Bilder

Teller mit der Ansicht der Kramlaube aus der Hafnerei Johannes Röthlisberger, 1911, © Sammlung des Regionalmuseum Chüechlihus in Langnau

Historische Fotografie der Kramlaube und des Bären von Süd-Südwesten. Links vor der Kramlaube ein Waschhaus mit steilem geknicktem Walmdach und Am Brunnen werden Fenster gewaschen. Sammlung des © Regionalmuseum Chüechlihus in Langnau

Hellgrüne Karte mit Blumendekor, darauf die Ansicht der Kramlaube und des Bären von Westen. "Gruss aus Langnau" Vorderseite beschrieben, adressiert ist die Karte an Herrn Justus Burger in Bern. Gestempelt am 2.9.1901. Sammlung des ©Regionalmuseum Chüechlihus in Langnau

Ansicht der Kramlaube von Südosten, rechts der Bären. Davor findet der Markt statt. Rückseite: "R. Zbinden". © Regionalmuseum Chüechlihus in Langnau

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