
ES_0036
Kühlschrank im Kellerhals
Vorname/Name
Jonas Glanzmann
Jahrgang
1975
PLZ/Ort
3438 Lauperswil
Kurzbeschrieb
Der Speicher Nr. 470 in Ebnit bei Lauperswil von 1740 zeigt den praktischen Erfindergeist des Emmentals. Im Keller entdeckte man eine frühe Art „Kühlschrank“: Ein glasierter Keramiktopf war in eine Sandsteinwand eingelassen und mit einer Steinplatte verschliessbar. Vermutlich wurde darin ein zweites Gefäss mit Wasser eingesetzt. Zusammen mit der kühlen Kellerluft blieben Milch oder Rahm länger frisch – ganz ohne Strom.
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Text
Der Speicher Nr. 470 in Ebnit in der Gemeinde Lauperswil aus dem Jahr 1740 wurde als sogenannter Kantholzblockbau errichtet, eine Bauweise, die im Emmental typisch ist. Der Speicher verfügt über einen Keller.
Besonders spannend ist ein Detail im Keller, eine Art früher „Kühlschrank“. Dabei handelt es sich nicht um ein elektrisches Gerät, sondern um eine clevere Konstruktion in der Wand.
In eine Wandnische im Bereich des Kellerabgangs (dem sogenannten Kellerhals) wurde ein glasierter Keramiktopf in das Sandsteinmauerwerk eingemauert. Diese Nische konnte mit einer passgenauen Sandsteinplatte verschlossen werden. Vermutlich stellte man in diesen fest eingebauten Topf noch ein zweites Gefäss hinein. So konnte man Lebensmittel wie Milch oder Rahm leichter herausnehmen und das Ganze besser reinigen. Zwischen dem äusseren und dem inneren Gefäss entstand ein kleiner Zwischenraum. Es ist gut möglich, dass dieser mit Wasser gefüllt wurde. Das Wasser und die kühle Umgebung des Kellers sorgten dafür, dass die Temperatur im Gefäss niedrig blieb, ähnlich wie bei einem heutigen Kühlschrank, nur ohne Strom.
Die Besitzer des Hofs nutzten die natürliche Kühle der Umgebung, um Lebensmittel länger frisch zu halten. Statt Technik setzten sie auf einfache, aber durchdachte Bauweisen.
Diese Entdeckung ist besonders interessant, weil eine solche Konstruktion bisher kaum oder gar nicht beschrieben wurde. Üblicher war im Emmental eine andere Methode. Milch oder Rahm wurden in einem kleinen Schrank direkt über einem Brunnen aufbewahrt, wo das ständig fliessende Wasser für Kühlung sorgte. Typisch für das Emmental ist an diesem Beispiel vor allem der praktische Erfindergeist. Die Menschen nutzten die vorhandenen Materialien, Holz, Stein, Keramik und Wasser und entwickelten daraus einfache, funktionierende Lösungen für den Alltag.
Der Speicher von 1740 steht noch am Ort im kleinen Weiler Ebnit, oberhalb Zollbrück. Der Keller unter dem Speicher stammt von 1834. Der Holzbau wurde somit erst später unterkellert. Er wird heute nicht mehr als Speicherbau genutzt, wird aber als wertvoller Nebenbau durch die Besitzer gepflegt.
Herkunft des Wissens
Speicherforschung Gemeinde Lauperswil, Simon Röthlisberger und Jonas Glanzmann 1999-2002
Im Zusammenhang mit der Forschung zum Historischen Lexikon der Gemeinde Lauperswil 1999 bis 2002 wurden sämtliche vorhandene Speicher vor Ort erforscht. Daraus entstand eine Datensammlung von 109 Speicherbauten.
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv






