ES_0119

Kulturmühle Lützelfüh – Die Rettung

Vorname/Name
Monika Gfeller
Jahrgang
1973
PLZ/Ort
3432 Lützelflüh
Kurzbeschrieb
Anfang der 1990er-Jahre stand die Kulturmühle vor dem Konkurs. Dank des Engagements von Fritz von Gunten, der Unterstützung von Gemeinden, Kanton und weiteren Partnern gelang die Rettung. Die Stiftung wurde neu ausgerichtet, der Kulturbetrieb reorganisiert und die Kulturmühle als bedeutender Kulturort langfristig gesichert.
Schlagworte
Teilen

Text

Die Kulturmühle hat sich 1990 längst überregional als bedeutende Institution einen Namen gemacht. Das Interesse an deren Erhalt ist deshalb gross, aber wer soll das sinkende Schiff vor dem Untergang bewahren?
Dem Geschäftsführer der damaligen Volkswirtschaftskammer / Verkehrs-Verband Emmental, Fritz von Gunten, ist es ein besonderes Anliegen, die Kulturmühle vor dem drohenden Untergang zu bewahren. Mit Hilfe seines grossen Netzwerks setzt er sich für die Rettung der Kulturinstitution ein. Er sucht und organisiert Lösungen mit Behörden, Gläubigern und der Stifterin.
1991 wird im Grossen Rat des Kantons Bern eine Motion zur Rettung der Kulturmühle eingereicht. Entgegen der ablehnenden Haltung der Regierung überweist der Grosse Rat den Vorstoss. Jetzt beginnt die intensive Arbeit: Die nötigen Geldmittel müssen gesucht und gefunden werden. Trotz der leisen Hoffnung auf die Rettung wird der Konkurs eröffnet.
Auf den Tiefpunkt für die Kulturinstitution folgt 1992 das Jahr der Hoffnung. Zunächst beteiligt sich die Gemeinde Lützelflüh mit CHF 50‘000 an der Rettungsaktion. Und gleichzeitig unterstützt die Gemeinde Ittigen das Rettungskonzept ebenfalls mit CHF 50‘000. Es ist ein ausserordentliches Entgegenkommen des damaligen Gemeinderats der Standortgemeinde Lützelflüh aber auch ein grossartiges Geschenk der Gemeinde Ittigen. Dank diesen Vorleistungen und Vereinbarungen mit den Gläubigern beschliesst der Grosse Rat einen Sanierungskredit zu Lasten des Lotteriefonds. Mit den nun vorhandenen finanziellen Mitteln kann der Konkurs gestoppt und mit der Neuorientierung der Kulturmühle begonnen werden.
Die Stiftung „Jolanda Rodio, Kulturmühle Lützelflüh“ wird umbenannt und trägt fortan den Namen „Stiftung Kulturmühle Lützelflüh“.
1994 wird die Gründerin zum 80. Geburtstag für ihre Verdienste mit einer Bronze-Büste der Künstlerin Anita Gehler geehrt. Nach 20 Jahren intensiver Kulturtätigkeit zieht sich Jolanda Rodio zurück. Sie verlässt Lützelflüh und zieht nach Deutschland. Einige Zeit lebt sie in Berlin, zieht dann nach Dänemark, wo sie am 1. November 2000 stirbt. Der Name ist aus der Bezeichnung der Stiftung verschwunden, nicht aber die sichtbare Erinnerung an eine echte Kulturtäterin und prägende Persönlichkeit.
Ein Freund und Mitarbeiter hat sie charakterisiert als „Zwischending eines Bulldozers und einem Meierisli“. Auf diese Einschätzung gibt Jolanda Rodio folgende Antwort: „Ein Bulldozer bin ich, wenn ich etwas durchsetzen und durchführen will und man mir etwas in den Weg stellt. Meine Meierisliseite offenbart sich dann, wenn ich mich um Menschen kümmere“. Eines ist gewiss: Ohne Jolanda Rodio wäre aus der einstigen Kundenmühle von Ulrich Bärtschi keine Kulturmühle Lützelflüh entstanden.
Nach der grossen Freude über die gelungene Rettung wartet eine ebenso grosse Phase der Arbeit auf die Verantwortlichen. Organisatorisch und baulich muss die Kulturmühle umgestaltet werden und vor allem müssen dafür neue finanzielle Mittel gesucht werden. Dafür sorgt künftig ein neu zusammengesetzter Stiftungsrat, dem auch ein Vertreter des Kantons Bern angehört. Der Kulturbetrieb wird geführt vom Verein Kulturmühle, der ebenfalls personell neu zusammengestellt wird.
Fritz von Gunten, Hauptinitiant und Koordinator der Rettung, amtet einerseits als Präsident des Vereins und wird Geschäftsführer der Stiftung. Dieses Konstrukt garantiert eine optimale Zusammenarbeit für den anstehenden Auf- und Ausbau der neuen Kulturinstitution. Zwei Anlässe werden 1993 symbolisch für die neue Ära der Kulturmühle und als Dank an die Bevölkerung begründet: Der Bärzelistag-Apéro am 2. Januar und die 1. August-Feier. Beide Anlässe sind bis heute feste Bestandteile des Jahresprogramms.
Fritz von Gunten macht sich selbständig und führt ab 1996 in der Kulturmühle ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit. Er ist bis 2013 die wichtige Schaltstelle zwischen dem Verein und der Stiftung Kulturmühle.

Herkunft des Wissens

Jubiläumsschrift der Kulturmühle Lützelflüh, zusammengestellt von Heinrich Schütz. Siehe auch «Mühle Lützelflüh – die ersten 150 Jahre» und «Aufbau Kulturmühle Lützelflüh – Jolanda Rodio – Krise»

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Wir geben das Wissen an Mühleführungen weiter und an interessierte Personen.

Bilder

Fritz von Gunten

Büste von Jolanda Rodio

U du, weisch no meh?

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google.
Beim Verwenden dieses Kontaktformulars gilt unsere Datenschutzerklärung. Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren