ES_0159

Laub in den Lauben

Vorname/Name
Stefanie
Jahrgang
1987
PLZ/Ort
3556 Trub
Kurzbeschrieb

Die Spur einer ehemaligen Tür führt uns zur Laube und zu einer alten Tradition: dem Schneiteln. Auf den Lauben wurde Laub getrocknet und als Futter für die Tiere gelagert. Bäume wie Eschen und Weiden wurden dafür regelmässig geschnitten. Tony Chüechler zeigt im Film, wie diese Tradition bis heute weiterlebt.

Dieser Beitrag ist Teil der Spurensuche durchs Chüechlihus.

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Text

Obwohl es sehr wahrscheinlich ist, dass es bereits zur Bauzeit des Chüechlihus einen Treppenaufgang im Innern gab, vielleicht sogar an derselben Stelle wie heute, gelangte man in alten Holzhäusern häufig über die Lauben in die oberen Geschosse. Wenn du nach oben schaust, kannst du noch die Spuren einer ehemaligen Tür erkennen. Sie führte ins zweite Obergeschoss und war nur über eine Leiter von der Laube aus erreichbar. Irgendwann wurde dieser Zugang überflüssig und die Tür wieder verschlossen.

Die Lauben dienten allerdings nicht nur als Zugang zu den oberen Stockwerken. Ihren Namen verdanken sie einer anderen, heute kaum mehr bekannten Funktion: Hier wurde Laub getrocknet und gelagert. Das getrocknete Laub diente als zusätzliches Futter für die Tiere und konnte über den Winter oder in trockenen Sommern verfüttert werden.

Gerade in heissen und trockenen Jahren, wie wir sie auch heute erleben, kann das Gras knapp werden. Bäume kommen mit solchen Bedingungen besser zurecht. Ihre tiefen Wurzeln versorgen sie auch dann noch mit Wasser, wenn die Wiesen längst trocken sind. Deshalb hat das Schneiteln, also das Ernten von Laub als Tierfutter, im Emmental und im gesamten Alpenraum eine lange Tradition.

Tony Chüechler führt diese Tradition bis heute weiter. Jedes Jahr schneitelt er Bäume und erntet das Laub als Futter für die Geissen vom Balmeggberg. Im Film erzählt und zeigt er, wie diese alte Technik funktioniert und warum sie auch heute noch sinnvoll sein kann.

Schneiteln bedeutet mehr, als einfach Äste abzuschneiden. Die Bäume werden von klein auf dafür erzogen. Bei einer jungen Esche lässt man beispielsweise an den unteren Ästen kurze Stücke stehen. Diese dienen später als Trittstufen und ermöglichen es, in die Baumkrone zu klettern. Bei jungen Bäumen müssen genügend Äste und Blätter stehen bleiben, damit sie weiterwachsen können.

Werden die Bäume über viele Jahre richtig geschnitten, entstehen in der Krone sogenannte Schneitelköpfe. Aus ihnen treiben die Bäume immer wieder neue Äste aus, deren Laub geerntet werden kann. So bleiben die Bäume vergleichsweise klein und lassen sich ohne Leitern einfach erklettern und schneiteln.

Besonders gut zum Schneiteln eignen sich Eschen. Auch Ziegen mögen ihr Laub. Ein weiterer beliebter Futterbaum ist die Sal-Weide. Ihr lateinischer Name Salix caprea bedeutet wörtlich «Ziegen-Weide» und verrät bereits, wie beliebt dieser Baum als Futterpflanze für Ziegen ist.

Nach der Ernte wird das Laub getrocknet. Tony Chüechler breitet es dafür in der Laube auf dem Balmeggberg aus. Bei trockenem Wetter dauert das nur wenige Stunden bis einige Tage. Der erhöhte und bedachte Boden der Laube schützt das getrocknete Laub vor Feuchtigkeit. So kann das nährstoffreiche Futter lange gelagert und später an die Tiere verfüttert werden. Ein solch erhöhter Lagerraum haben wir auch hier im Chüechlihus auf der Laube.

Was hier am Chüechlihus wie ein einfacher Zugang zu den oberen Geschossen aussieht, erzählt also noch eine zweite Geschichte. Die Laube war nicht nur Verkehrsweg, sondern auch ein wichtiger Ort für die Vorratshaltung. Und eine Tradition, die einst für das Überleben der Tiere wichtig war, wird heute noch gepflegt.

Herkunft des Wissens

Tony Chüechler schneitelt auf dem Balmeggberg, um Futter für die Ziegen zu ernten. Er kennt und nutzt diese Technik, die hier und auch vielerorts auf der Welt eine lange Tradition hat.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Beim Schneiteln

Bilder

Das Stampfihus in Langnau. Auf dieser alten Ansichtskarte aus Langnau erkennt man das getrocknete Laub auf den Lauben des Bauernhaus. © Sammlung des Regionalmuseums Chüechlihus

Fotografie eines Ochsengespanns und Heuernte. © Sammlung des Regionalmuseums Chüechlihus

Keramikmalerei auf einer Käseglocke mit Ziegen, einem HIrten und einem Laubbaum. © Sammlung des Regionalmuseums Chüechlihus

An der Aussenwand des zweiten Obergeschoss ist erkennbar, dass an der Stelle des Fensters sich früher eine Tür befand. Von aussen gab es offenbar über die Lauben einen Eingang ins zweite Obergeschoss.

Video

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