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Römische Zeit

Vorname/Name
Anja Huber
Jahrgang
1991
PLZ/Ort
3550 Langnau im Emmental
Kurzbeschrieb
Zur Römerzeit brachten die Römer neue Strassen, Städte, Geld und viele technische Errungenschaften in die Schweiz. Im oberen Emmental gab es lange nur wenige Funde, doch neue Entdeckungen wie eine Münze, Keramik und eine Reibschüssel deuten darauf hin, dass es hier vermutlich römische Gutshöfe und Siedlungen gab.
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Das obere Emmental in römischer Zeit (50 v. Chr- 476)

Dieser Beitrag ist einer von 5 Artikeln über unsere Suche im Emmental und die Funde aus den Epochen: Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und römische Zeit

ÜBERBLICK RÖMISCHE ZEIT:
Mit der Besetzung durch die Römer und der Etablierung neuer Provinzen wurde die römische Kultur in die Schweiz gebracht. Zum ersten Mal wurden Strassen gebaut und unterhalten, das römische Geldsystem eingeführt und eine zentrale Verwaltung installiert. Es entstanden grosse Städte, wie z.B: Aventicum (Avenches) und Augusta Raurica (Kaiseraugst). In Kaiseraugst lebten ca. 10-15’000 Menschen. Es gab auch kleinere Siedlungen und in ländlichen Regionen und Gutshöfe, sogenannte Villae Rusticae. Andere spannende römische Errungenschaften sind zum Beispiel die Fussbodenheizung, die Wassersysteme, die Badekultur, die römische Baukunst usw. leider können wir in diesem Rahmen nicht näher darauf eingehen.

RÖMISCHE ZEIT IM OBEREN EMMENTAL:
Die römische Geschichte der Region in und um Langnau galt bisher aus archäologischer Sicht als blinder Fleck.
In Lauperswil waren zwar Keramikfunde bekannt, die möglicherweise römisch datieren. Auch gibt es Legenden über weitere Funde, z.B. im Eggiwil soll ein Topf mit Münzen geborgen worden sein, falls die Münzen tatsächlich existierten, sind leider alle verschwunden. Es gibt auch tatsächliche handfeste Funde in Form von Münzen aus einem Münzdepot in Lützelflüh, Grosshus, sowie zwei Münzen von der Burg Brandis. Jedoch fehlen aussagekräftige Funde aus der Epoche, was den Gedanken nahelegte, dass es vermutlich nur wenig Durchgangsverkehr und keine Besiedelung der Region zu römischer Zeit gab.
Unsere Vermutung ist es allerdings, dass es in der Region mehrere römische Gutshöfe gab. Wir konnten während den letzten Jahren eine mögliche Siedlungsstelle, auf terrassiertem Gelände im Grossraum Häleschwand, in der Gemeinde Signau ausmachen. Begehungen vor Ort brachten drei gesicherte römische Funde hervor, die uns in unserer Theorie bestärken. Auf einem Feld in besagter Region konnten wir ein vermutliches Scherbenfragment eines römischen Glanztonbechers bergen. Ausserdem kam an derselben Stelle eine römische Münze zum Vorschein. Es handelt sich um ein As (oder Dupondius) und wurde unter Kaiser Hadrian in den Jahren 117-138 geprägt. In der Nähe und wahrscheinlich in Verbindung stehen zu diesen Objekten machten wir einen dritten Fund, der als Teil einer römischen Reibschüssel bestimmt wurde. Eine Reibschüssel wurde zur Zubereitung von Lebensmitteln benutzt, z.B. zur Herstellung von Gewürzpasten und Saucen.
Die neue Quellenlage ist mit diesen wenigen Funden zwar immer noch dünn und Interpretationen dazu sind gewagt. Sie sind jedoch Indizien, die für eine römische Siedlungsaktivität im oberen Emmental sprechen. Wir sind bemüht in Zukunft der Erde noch weitere Fund entlocken zu können und sind zuversichtlich das archäologische Bild nach und nach zu verdichten.

ÜBER UNS UND UNSERE ARBEIT:
Wir sind Anja Huber und Reto Wüthrich und sind beide geschichtlich interessiert. Als ehrenamtliche Mitarbeiter sind wir für die Kantonsarchäologie tätig. Wir haben die Theorie, dass die Region des oberen Emmentals schon vor dem Mittelalter besiedelt war. Um das zu beweisen, suchen wir Objekte aus früheren Epochen. Dabei arbeiten wir zum Teil mit dem Metalldetektor, um Funde im Boden zu lokalisieren. Objekte aus anderen Materialien wie Glas, Keramik oder Steinwerkzeuge müssen ohne technische Hilfsmittel gesucht werden. Dazu suchen wir die Oberfläche auf Äckern optisch ab. In den letzten 7 Jahren konnten wir einige Funde machen, um diese Theorie zu festigen. Trotzdem verbringen wir oft unzählige Stunden draussen, ohne irgendetwas Relevantes zu finden. Manchmal hat man aber den richtigen Riecher und etwas Glück und kann so einen schönen Fund bergen. Wir verfolgen unabhängig unsere eigenen Ideen, arbeiten aber auch immer wieder zusammen an Projekten.

Herkunft des Wissens

Unsere Nachforschungen betreiben wir vor Ort im Gelände. Es braucht aber auch vorausgehende Abklärungen. So informieren wir uns in historischen Büchern, auf Karten, Satellitenbildern und Terrainmodellen, um gute Flächen zu finden. Für die Altfunde dient uns das Buch «Emmental – Eine Landschaft erzählt Geschichte» von Jonas Glanzmann als Quelle. Bei fachlichen Fragen unterstütze uns Michel Franz.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Wir sind im Austausch mit der Kantonsarchäologie. Manchmal werden bedeutende Funde veröffentlicht, die Allgemeinheit jedoch erfährt meistens nichts davon. Wir möchten die Geschichte des Emmentals der Bevölkerung zugänglicher machen, denn wir glauben, dass man durch sie, etwas lernen kann.

Bilder

Römische Münze: As oder Dupondius, Hadrianus (117-138), Grossraum Häleschwand, Signau. (Fund: A. Huber)

Römisches Keramikfragment: Glanztonbecher, Grossraum Häleschwand, Signau. (Fund: A. Huber)

U du, weisch no meh?

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