ES_0027

Holzerwissen

Vorname/Name
Ruedi
Jahrgang
1964
PLZ/Ort
3535 Schüpbach
Kurzbeschrieb
Holz war im Emmental früher ein Reservekässeli und wichtiger Nebenerwerb. Ich bin in einer Sägerei aufgewachsen und habe dieses Wissen über Generationen miterlebt. Holzen brachte Einkommen, aber auch Gefahren und Folgen für die Natur. Bis heute ist dieses Wissen Teil meines Alltags – geprägt von Erfahrung, Verantwortung und unserer Familiengeschichte.
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Text

Holz als Lebensgrundlage

Holz war früher im Emmental weit mehr als nur ein Baustoff – es war eine Art Reservekässeli. Wer eigenen Wald besass, konnte Bäume fällen und das Holz verkaufen, wenn Geld gebraucht wurde. Dieses Wissen war über Generationen selbstverständlich. Doch diese Nutzung hatte auch ihre Folgen. Es wurde teilweise zu viel abgeholzt, was die Landschaft veränderte und Naturereignisse begünstigte. Die «Wassernot im Emmental», wie sie Jeremias Gotthelf 1837 eindrücklich beschrieb, zeigt das deutlich: Nach heftigen Gewittern wurde die Emme zur zerstörerischen Sturzflut, riss Brücken und Häuser mit sich und hinterliess grosse Not.

Die Hauptzeit für Holzarbeiten war der Winter. Dann, wenn auf den Höfen weniger zu tun war, gingen viele Männer in den Wald. Holzen war oft ein Nebenerwerb – wie so vieles im Emmental. In fast jedem Dorf gab es eine Sägerei, die von mehreren Bauern gemeinsam betrieben wurde. Holz gehörte zum Alltag, genauso wie das Wissen darüber, wie man es verarbeitet und nutzt. Heute ist das ganz anders. Es gibt nur noch wenige Sägereien pro Region, und es ist genau geregelt, wann und wie viel Holz geschlagen werden darf.

Eine Familiengeschichte im Holz

Ich bin mit diesem Wissen aufgewachsen – direkt in einer Sägerei. Mein Vater führte die Sägerei in Schüpbach, die er von seinem Vater übernommen hatte. Die Geschichte unserer Familie mit dem Holz reicht weit zurück: Ab 1913 war das Anwesen in Familienbesitz. Was als Holzschuhmacherei begann, entwickelte sich über Generationen weiter. Mein Grossvater baute 1947 eine Bergsäge und begann, Holz zu verarbeiten. Mit der Zeit veränderte sich die Nachfrage, und mein Vater machte daraus eine richtige Sägerei, die er stetig ausbaute. Nach dem mein Vater tödlich verunglückte übernahm ich für einige Jahre die Sägerei, bis sie ende der 1990er-Jahre abgebaut wurde. Die Anlage wurde in die Ukraine gebracht, wo sie weiterverwendet wurde. Ich selbst arbeite bis heute in einer Sägerei. Das Wissen ist für mich also immer noch Alltag – auch wenn sich vieles verändert hat.

Gefahr, die bleibt

Mein Vater ist bei Forstarbeiten tödlich verunglückt. Dieses Erlebnis hat mir die Gefahren der Waldarbeit sehr deutlich vor Augen geführt. Holzen war und ist gefährlich. Dieses Wissen sitzt tief in unserer Familie. Auch meine Töchter, die selbst nichts mit Forstarbeit zu tun haben, wissen genau, wie schnell etwas passieren kann. Noch heute kommt es immer wieder zu schweren und tödlichen Unfällen im Wald.

Herkunft des Wissens

Mein Wissen stammt aus meiner Familie und meiner Arbeit: Ich bin in einer Sägerei aufgewachsen, habe sie selbst geführt und arbeite bis heute im Holzbereich. Erfahrungen und Erzählungen wurden über Generationen weitergegeben.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Es ist immer im Hinterkopf präsent: ein Gefühl für den Wert des Holzes, für die Abläufe im Wald und für die Gefahren, die damit verbunden sind. Vieles läuft ganz selbstverständlich mit, ohne dass ich bewusst daran denke, im Alltag bei der Arbeit auf der Sägerei.

Bilder

Ehemalige Sägerei Wälti, Schüpbach (Quelle: Historischen Lexikon Gemeinde Signau, Hans Minder)

Ehemalige Sägerei Wälti, Schüpbach (Quelle: Historischen Lexikon Gemeinde Signau, Hans Minder)

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