
ES_0057
Flugtag
Vorname/Name
Jonas Glanz
Jahrgang
1975
PLZ/Ort
3604 Thun
Kurzbeschrieb
Am 4. Mai 1912 wurde Langnau Zeuge eines aussergewöhnlichen Ereignisses. Flugpionier Oskar Bider landete in Langnau und begeisterte zahlreiche Zuschauer. Der Flugtag diente der Sammlung von Geldern für die «Nationale Flugspende», welche den Aufbau einer schweizerischen Fliegertruppe unterstützen sollte. Aufgrund des Regens und starkem Wind konnte Bider nur zwei kurze Flüge durchführen. Dennoch hinterliess die Veranstaltung einen bleibenden Eindruck!
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Text
Am Sonntag 4. Mai 1912 blickte das Dorf Langnau in den Himmel. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals eine Sensation. Flugzeuge waren eine technische Neuheit, die die Fantasie der Menschen beflügelte. Die meisten hatten noch nie eines aus der Nähe gesehen. Als sich die Nachricht verbreitete, dass der berühmte Flugpionier Oskar Bider nach Langnau kommen würde, war die Aufregung gross.
Der Flugtag war weit mehr als ein Spektakel. Er diente einem nationalen Anliegen. Auf Initiative des Schweizerischen Offiziersvereins wurde die «Nationale Flugspende» ins Leben gerufen. Da der Bund zögerte, Flugzeuge für die Armee anzuschaffen, sollte die Bevölkerung selbst Geld sammeln, um den Aufbau einer schweizerischen Fliegertruppe zu ermöglichen. Patriotismus, Technikbegeisterung und die Sorge um die Landesverteidigung gingen dabei Hand in Hand.
Auch der 1912 gegründete Offiziersverein Langnau beteiligte sich mit grossem Engagement. Für ihn war die Organisation des Flugtages die erste grosse öffentliche Aktion. Das Ziel war, möglichst viele Menschen sollten ihren Beitrag leisten und damit zeigen, dass die Schweiz den Anschluss an die moderne Luftfahrt nicht verpassen wollte.
Als Flugfeld wurde die Lägermatte, das Gebiet des heutigen Oberfeld und Höhenweg, ausgewählt. Schon Wochen zuvor hatte Oskar Bider das Gelände persönlich besichtigt. Der Basler Bauernsohn war damals bereits ein nationaler Held. Mit der spektakulären Überquerung der Pyrenäen und kurz darauf der Alpen hatte er bewiesen, dass Berge für Flugzeuge kein unüberwindbares Hindernis darstellten. Seine Leistungen machten ihn zum bekanntesten Piloten des Landes.
Am Morgen des Flugtages war es sehr regnerisch. Kurz nach neun Uhr erschien Bider am Himmel über Langnau und landete mit seinem Blériot-Eindecker und einem Flugpassagier planmässig auf dem Flugfeld. Eine grosse Menschenmenge begrüsste den Piloten begeistert. Für viele war es der erste Anblick eines Flugzeugs überhaupt.
Doch das schlechte Wetter machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Dazu kam starker Wind. Vorsichtshalber wurde das Flugzeug in einem eigens errichteten Schuppen untergebracht. Die zahlreichen Besucher warteten geduldig, doch die Bedingungen wurden nicht besser. Statt des erhofften Flugfestes konnten im Verlauf des Nachmittags lediglich zwei kurze Flüge durchgeführt werden.
Gerade diese Flüge blieben den Zuschauern jedoch in Erinnerung. Bider kämpfte sichtbar gegen die Windböen an und zeigte eindrücklich, welchen Mut die frühen Aviatiker aufbringen mussten. Das «Emmenthaler Blatt» schrieb später, sein Verhalten habe weniger persönlicher Tollkühnheit entsprochen als vielmehr dem Willen, zu zeigen, dass ein Militärpilot auch widrigen Bedingungen standhalten müsse.
Als sich gegen Abend die Wolken lichteten, entschloss sich Bider zur Rückkehr nach Bern. Um 18.20 Uhr hob er ab und verschwand in den Wolken. Nur zwanzig Minuten später traf in Langnau die telefonische Nachricht ein, dass die Landung in Bern geglückt war.
Finanziell blieb der Flugtag hinter den Erwartungen zurück. Das schlechte Wetter hielt viele Besucher fern, und die vorgesehenen Passagierflüge mussten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Dennoch war die Veranstaltung kein Misserfolg. Der Verkauf von Flugpostkarten und speziellen Flugmarken brachte Einnahmen für die Aviatikspende, und die Bevölkerung erhielt einen unmittelbaren Eindruck von den Möglichkeiten der neuen Flugtechnik.
Herkunft des Wissens
Offiziersgesellschaft Langnau, Chronik 100 Jahre Offiziersgesellschaft
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv







