ES_0118

Aufbau Kulturmühle Lützelflüh

Vorname/Name
Monika Gfeller
Jahrgang
1973
PLZ/Ort
3432 Lützelflüh
Kurzbeschrieb
Bis 1970 wurde in der Mühle Lützelflüh noch Getreide gemahlen. 1972 kaufte die Gesangs- und Theaterpädagogin Jolanda Rodio das Gebäude und gründete die Kulturmühle. Mit der «Schule für Totales Theater», Konzerten, Ausstellungen und Kursen entwickelte sie die ehemalige Mühle zu einem weit über die Region hinaus bekannten Kulturzentrum.
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Text

In der Mühle Lützelflüh wurde bis 1970 noch ein Mühlebetrieb geführt. 1972 erwarb die Gesangs- und Theaterpädagogin, Jolanda Rodio das stattliche Haus und begann mit dem Aufbau zum Kultur- und Begegnungszentrum.

Jolanda Rodio (1914 – 2000) eine Schweizerin mit italienischer Abstammung, wird durch Heirat Dänin und lebt in Dänemark. Während des zweiten Weltkriegs ist sie aktives Mitglied der Widerstandsbewegung «Holger Danske».
Die musikalisch begabte junge Frau muss zahlreiche Hindernisse überwinden, um ihre künstlerischen Fähigkeiten entfalten zu können. Erst mit 34 Jahren schliesst sie das Pianisten- und das Staatsdiplom in Gesang und Gesangspädagogik am Konservatorium Kopenhagen mit Auszeichnung ab. Zehn Jahre später kommt sie zu ihrem Opern-Debüt. Inzwischen erhält sie eine Professur in Aalborg am Königlichen Konservatorium, arbeitet an verschiedenen Schulen, unterrichtet sogar im dänischen Heer, leitet Chöre und engagiert sich als Regieassistentin.
Als starke Persönlichkeit eckt Jolanda Rodio oft an, künstlerisch und politisch. Nach 32 Jahren Aufenthalt in Dänemark kehrt sie in die Schweiz zurück. In Dänemark hat sie bedeutende Spuren hinterlassen. 1974 verleiht ihr Königin Margarethe II das Ritterkreuz des Dannebrog-Ordens: „Für ihren bedeutenden kulturellen Einsatz und ihr Schaffen im Bereich des dänischen Künstlertums.“
Zurückgekehrt in die Schweiz muss Jolanda Rodio zuerst wieder Wurzeln schlagen. Nach verschiedenen Stationen kauft sie 1972 die Liegenschaft Mühle in Lützelflüh. Hier beginnt Jolanda Rodio – inzwischen 58-jährig – ihre grosse Schaffenskraft und Erfahrung im ehrgeizigen Projekt „Kulturmühle Lützelflüh“ umzusetzen. Jolanda Rodio gründet die „Schule für Totales Theater“. Diese beinhaltet viele Disziplinen, u.a. physisches Training, Tanz, Akrobatik, Pantomime, Anatomie, Stimme, Gesang und Sprache, Kenntnisse des Raumes und seiner Eigenschaften, Multimedia, Film usw.. Für die anspruchsvollen Ausbildungsgänge müssen infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden: Der Mühleraum wird entsprechend ausgebaut.

1976 wird die Kulturmühle unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt. Das eröffnet die Möglichkeit, finanzielle Mittel zu erhalten, die dringend nötig sind. Die Fassadenrenovationen und der Innenausbau können realisiert werden. Nebst der Ausbildungsstätte „Totales Theater“ gründet Jolanda Rodio das Child-Drama-Kindertheater, organisiert Kurse und Tagungen, kuratiert Ausstellungen und organisiert Konzerte. Sie verfügt über ein grosses internationales Netzwerk. Bedeutende Künstlerinnen und Künstler treten musikalisch oder kabarettistisch auf oder präsentieren in der Kulturmühle ihre Werke. Die Kulturmühle Lützelflüh wird dank dem unermüdlichen Einsatz von Jolanda Rodio in kurzer Zeit über die regionalen Grenzen hinaus eine bekannte und viel beachtete Institution. Sie ist jedoch keine Buchhalterin, sie ist Kunst- und Kulturtäterin. „Man geht auch nicht in die Kirche, um Geld zu verdienen.“ Das ist ihre persönliche Aussage. Genau an diesem Punkt scheitert die Kulturpromotorin. Einerseits zehrt das enorme künstlerische und kulturelle Engagement an ihren Kräften, anderseits nehmen die finanziellen Probleme zu.

Eine neue Betriebsstruktur soll Lösungen bringen. Die Stiftung „Jolanda Rodio, Kulturmühle Lützelflüh“ wird gegründet, und ein Verein „Kulturmühle Lützelflüh“ soll künftig die kulturellen Aktivitäten organisieren. Jolanda Rodio übergibt die Leitung Totales Theater zuerst an Brigitte Schildknecht, dann an Jürg Montalta.

Trotz der strukturellen und personellen Änderungen spitzt sich die Lage zu. Knapp 20 Jahre seit der Gründung sind vergangen, während denen in verschiedensten Formen und auf hohem Niveau Kunst und Kultur gelebt und vermittelt wurden. Leider reicht aber die finanzielle Tragfähigkeit nicht mehr zum Überleben der bedeutenden Institution: Der Konkurs ist unvermeidbar. Die Schule Totales Theater wird geschlossen, der Kulturbetrieb auf Sparflamme weitergeführt.

Herkunft des Wissens

Jubiläumsschrift der Kulturmühle Lützelflüh, zusammengestellt von Heinrich Schütz. Siehe auch «Mühle Lützelflüh – die ersten 150 Jahre»
Kannst du bitte den Titel ergänzen in «Aufbau der Kulturmühle Lützelflüh – Jolanda Rodio – Krise», vielen Dank.

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Wir geben das Wissen an Mühleführungen weiter und an interessierte Personen.

Bilder

Jolanda Rodio

Totales Theater

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