ES_0169

Crowdfunding anno dazumal

Vorname/Name
dw
Jahrgang
1964
PLZ/Ort
3550 Langnau i. E.
Kurzbeschrieb

Crowdfunding gab es schon vor 300 Jahren: Beim Bauen halfen Verwandte, Nachbarn und Freunde mit Geld, Material oder Arbeitskraft. Besonders wertvoll waren geschenkte Türen und Fenster. Auf den Fenstern verewigten sich grosszügige Spender mit sogenannten Schliffscheiben. Heute sind diese kunstvollen «Sponsorenvermerke» kaum noch bekannt.

Schlagworte
Teilen

Text

Crowdfunding und Sponsoring anno dazumal
Bevor in der Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Geldinstitute entstanden, beruhte das Bauen in weit grösserem Masse als heute auf Selbsthilfe und Eigenleistung. Geldbedarf musste mit höheren Risiken privat gedeckt werden. Dafür gab es kaum Bauvorschriften, und die Bauweise war deutlich einfacher, was umfangreiche Eigenleistungen ermöglichte. Zudem konnte die Bauherrschaft in aller Regel auf grosse Solidarität zählen. Verwandte, Nachbarn, Freunde, Geschäftspartner und manchmal sogar die hohe Obrigkeit halfen tatkräftig mit Spenden.
Was wurde gespendet? Geldspenden waren eher selten, dafür waren Sachspenden umso häufiger. Dazu gehörten Lebensmittel für die Verpflegung auf dem Bau, vor allem aber Baumaterial, insbesondere Holz in Form von Trämeln, Ladenbäumen oder Hartholz. Da die Bauweise relativ einfach war, konnte auch viel «Handlangerarbeit» als Unterstützung geleistet werden.
«Das Teuerste am Bauen sind die Löcher» – diese Volksweisheit traf damals sicher zu. Türen und Fenster mussten von spezialisierten Handwerkern angefertigt werden und waren entsprechend teuer. Grosszügigere Spender halfen hier und schenkten dem Bauherrn Türen oder Fenster.
Die ganz «noblen» Spender verewigten sich auf ihren Geschenken. Bei Türen konnte man dies relativ einfach aufmalen oder einschnitzen, bei Fenstern war es etwas schwieriger. Hier behalf man sich mit Wappenscheiben, die fest in die Fenster eingebaut wurden. Sie waren aus Klarglas geschliffen oder mit dem Diamanten geritzt – daher stammt die Bezeichnung «Schliffscheiben».
Zeitgenössisch ausgedrückt waren Schliffscheiben also ein Sponsorenvermerk auf einer Bauspende aus einem Crowdfunding. Im 18. Jahrhundert war der Kanton Bern wirtschaftlich relativ gut gestellt. Dies führte zu einer regen Bautätigkeit, deren Spuren noch heute gut sichtbar sind. Fensterspenden mit Schliffscheiben waren dementsprechend häufig. Eine solche Häufung ist in der Schweiz einzigartig.
Mit der aufkommenden Industrialisierung verschwand dieser Brauch. Geschäftstüchtige Händler kauften Schliffscheiben auf, die in privaten Sammlungen und Museumsdepots verschwanden. Was übrig blieb, wurde vielfach vernichtet. So weiss heute kaum noch jemand, was eine Schliffscheibe ist oder wie sie einst ausgesehen hat.
Schliffscheiben haben einen ganz eigenen optischen Reiz, besonders bei speziellen Lichtstimmungen wie Sonnenauf- und -untergang oder Mondschein. Sie würden daher durchaus etwas mehr Bekanntheit verdienen.
Hier zeigen wir einige Beispiele aus unserer Region sowie eine Rekonstruktion.

Herkunft des Wissens

Aus Interesse selbst angeeignet und erfoscht

Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv

Informationen und gelegentliche Vorträge

Bilder

Peter Habegger, Ross- und Vieharzt in Langnau, 1804

Ulrich Kähr, Posauner zu Schwanden, 1758

Mathys Geissbühler, 1729

Samuel Althaus, Feldmusikant in der Kalchmatt, 1823

So könnte das ausgesehen haben...

U du, weisch no meh?

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google.
Beim Verwenden dieses Kontaktformulars gilt unsere Datenschutzerklärung. Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren