
ES_0135
Langnau anno 1809
Vorname/Name
dw
Jahrgang
1964
PLZ/Ort
3550 Langnau
Kurzbeschrieb
Dieses Aquarell von Johann Scheidegger zeigt Langnau im Jahr 1809. Es gilt als vermutlich älteste Gesamtdarstellung des Dorfes. Wer genau hinschaut, entdeckt zahlreiche heute verschwundene Gebäude: Vorgängerbauten von Häusern, eine Töpferwerkstatt mit Brennofen, die alte Schmiede und das Hübeli. Nur wenige Jahre später begann der Käsehandel das Dorfbild nachhaltig zu verändern.
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Text
Langnau anno 1809
Die ältesten bekannten Dorfansichten von Langnau in Form von Aquarellen, Stichen oder Lithografien stammen aus der Zeit nach 1820. Dieses Aquarell von Johann Scheidegger entstand jedoch bereits 1809 und ist vermutlich die älteste Gesamtdarstellung von Langnau.
Aus dem Jahr 1729 ist ein Schachenplan von Langnau überliefert. Vergleicht man diesen mit dem Aquarell von 1809, wird deutlich, dass sich das Dorfbild Langnaus in diesem Zeitraum baulich kaum verändert hat. Markante Ausnahmen bilden der Hirschenstock und das alte Amtshaus. Diese in den 1770er- und 1780er-Jahren errichteten repräsentativen Stein- und Riegelbauten der Leinen- und Käsehändler Röthlisberger und Joost prägten das Dorfbild fast fünf Jahrzehnte lang.
Das Aquarell zeigt Langnau weitgehend so, wie es im 18. Jahrhundert ausgesehen hatte. Bereits ein Jahrzehnt später setzte mit dem Aufschwung des Käsehandels – wenn auch mit Unterbrüchen – eine bis heute andauernde rege Bautätigkeit ein, die das Dorfbild unwiderruflich veränderte und weiterhin verändert.
Wer genauer hinschaut, entdeckt zahlreiche interessante Details. Im Oberdorf sind das Pfarrhaus und die Kirche gut erkennbar. Rechts von der Kirche ist ein Teil des Vorgängerbaus des Dr.-Vögeli-Hauses (1) zu sehen. Besonders interessant ist der Bau mit Satteldach neben dem Chüechli-Huus (2). Dabei handelt es sich entweder um ein Nebengebäude oder um den Vorgängerbau des Sängerhauses – ein Bau, der bisher auf keiner Abbildung zu finden war.
Auch der «uralte» Löwen (3) ist sehr schön erkennbar – allerdings noch ohne Kreuzfirst. Gleich darunter befindet sich die alte Schmiede (4).
Auch im Unterdorf gibt es einiges zu entdecken. Zu sehen sind der Bau am Mühlegässli (1), der wenige Jahre später ersetzt wurde, sowie der bisher noch nie abgebildete Vorgängerbau des Engel-Hauses (3), der von seiner Form her ein Hochstudbau (sehr alte traditionelle Holzbauweise) war. Sehr detailliert ist auch das Frisching-Schlössli (2) dargestellt, das später zum Amtshaus wurde.
Gleich darüber ist das Hübeli (4) zu sehen, das beim Bau der alten Sekundarschule zugeschüttet wurde. Es handelt sich um jene Stelle, die Jonas Glanzmann erst vor einigen Jahren als Burgstelle Langnau identifiziert hat.
Eine Besonderheit ist am Höheweg 1 abgebildet. Neben dem Haus ragt ein gemauerter Bau mit Kamin (5) empor. Dabei handelt es sich um den Brennofen der Töpferwerkstatt Herrmann, die sich hinter dem Haus befand. Auch dieses Gebäude war bisher auf keiner Abbildung zu sehen.
Gleich darunter ist das Coiffeur-Weber-Haus (6) in seiner ursprünglichen Form erkennbar, als der First noch «unvermurkst» gerade war. Gleich links daneben ist ein weiterer Bau (8) gut zu erkennen, der deutlich weiter in den Hirschenplatz hineinragte. An dieser Stelle steht heute, etwas zurückversetzt, der Frischmarkt.
Auch die Vorgängerbauten der Häuser an der Dorfstrasse 10 und 14 sind abgebildet (7). Etwas weiter links ist das Hutmacher-Haus (8) mit seinem charakteristischen Kreuzfirst zu erkennen. Heute steht dort das Gebäude der Valiant-Bank.
Zum Künstler:
Johann Scheidegger, geboren 1777 im Krummholz bei Sumiswald und gestorben 1858, war wohl der erste Emmentaler Maler, der versuchte, in seiner Heimat zumindest teilweise von seiner Kunst zu leben. Wahrscheinlich verfügte er über eine malerische Grundausbildung, die er autodidaktisch erweiterte.
Er soll im Oberland und im Jura Landschaften gemalt haben und sich dann vermutlich zum Broterwerb auf Ortsansichten spezialisiert haben. Bekannt sind bisher beispielsweise Ortsansichten von Burgdorf, Sumiswald und Worb sowie vier unterschiedliche Darstellungen von Langnau. Diese zeichnen sich durch eine getreue Proportionierung und eine sehr detaillierte Wiedergabe des Dorfbildes aus.
Das Aquarell von 1809 war gewissermassen ein «Urmodell» der klassischen Dorfansichten von Langnau von Süden gegen Norden. Scheidegger griff diese Bildkomposition später mehrmals auf und passte sie jeweils dem veränderten Dorfbild an.
Herkunft des Wissens
Autodidaktisch angeeignet
Nutzen des Wissens
aktiv / inaktiv
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